Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Institut für Klassische Philologie, HU Berlin

In Memoriam

 

Dr. Christine Salazar

Mit großer Trauer geben wir bekannt, dass unsere Kollegin Dr. Christine Salazar am vergangenen Mittwoch, dem 20. Oktober, an den Folgen einer Krankheit gestorben ist. Sie wurde 68 Jahre alt.

Christine Salazar war seit 2012 Mitarbeiterin des Instituts für klassische Philologie an der Humboldt-Universität und fester Teil meiner Arbeitsgruppe sowie Mitglied des SFBs 980 „Episteme in Bewegung“, Teilprojekt A03 „Der Transfer medizinischer Episteme in den ‚enzyklopädischen‘ Sammelwerken der Spätantike“. Sie war eine Expertin auf dem Gebiet der antiken Medizin; die auf ihrer Cambridge PhD basierende Monographie The Treatment of War Wounds in Graeco-Roman Antiquity (2000) gehört zu den bedeutendsten Werken zur Geschichte der antiken Chirurgie. Ihr Interesse galt vor allem der Spätantike und den praktischen Aspekten der griechisch-römischen Medizin, darunter auch dem Verhältnis zwischen Medizin und Militär. Im Rahmen des SFBs arbeitete sie u. a. an einer kommentierten Übersetzung der medizinischen Enzyklopädie des Aetios von Amida. Daneben bereitete sie eine kommentierte Übersetzung von Galens Kommentar zum hippokratischen Prognostikon für die Reihe „Cambridge Galen Translations“ vor. Sie war eine besonders sorgfältige Philologin und hochtalentierte Sprachkünstlerin. So fertigte sie Übersetzungen aus und in viele(n) Sprachen, darunter auch das Japanische, an. Ferner war sie viele Jahre als Übersetzerin, Lektorin und copy-editor für den Cambridge University Press und den Brill Verlag tätig und leitete das Projekt der englischen Ausgabe des Neuen Pauly.

Christine war eine gleichermaßen liebenswürdige und beliebte Kollegin und in ihrer ganz eigenen bescheidenen Weise eine sehr prägende Persönlichkeit für die wissenschaftliche Gemeinschaft, zu der sie gehörte. Für viele von uns kam ihr Tod völlig unerwartet und wir werden sie sehr vermissen.


Philip van der Eijk im Namen des Instituts für Klassische Philologie


 

 

Günter Poethke, der im Rahmen der Klassischen Philologie das Fach Papyrologie an der Humboldt-Universität vertrat, ist am 12.12.2020 im Alter von 81 Jahren verstorben.

Er hatte Klassische Philologie und Alte Geschichte in Jena studiert, wo seit Anfang des 20. Jh. eine Papyrussammlung bestand, die in den folgenden Jahrzehnten, vor allem unter der Leitung von Friedrich Zucker (1881–1973), wachsende Bedeutung erlangte. Hierdurch kam er bereits als Student mit der Papyruskunde in enge Berührung, was seinen weiteren Lebensweg entscheidend prägte: Seit 1962 hatte er in Berlin eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der mit dem Ägyptischen Museum verbundenen Papyrussammlung inne, seit 1977 in der Funktion eines Kustos. In Berlin entstanden auch seine akademischen Qualifikationsarbeiten, die beide an der Humboldt-Universität vorgelegt wurden: die Dissertation Epimerismos. Betrachtungen zur Zwangspacht in Ägypten während der Prinzipatszeit (1968; erschienen: Brüssel 1969) und die seinerzeit sogenannte Dissertation B (in der Funktion einer Habilitationsschrift) Griechische Papyrusurkunden spätrömischer und byzantinischer Zeit aus Hermupolis Magna (1988; erschienen: München/Leipzig 2001 [APF, Beiheft 7]; 2. Aufl. Berlin/Boston 2017).

Da mit der Stelle am Museum keine akademische Lehre verbunden war, bemühte sich Poethke nach der Neuformierung der Klassischen Philologie an der Humboldt-Universität in den frühen neunziger Jahren darum, ihm auf der Grundlage seiner durch die Dissertation B erworbenen Qualifikation eine entsprechende Lehrtätigkeit zu ermöglichen. Dem wurde seitens der damaligen Philosophischen Fakultät II stattgegeben und Poethke 1995 im Status eines Privatdozenten in den Lehrkörper aufgenommen. 1999 wurde er zum Außerplanmäßigen Professor ernannt. Während der gesamten Zeit hat er kontinuierlich papyrologische Übungen abgehalten, die von den Teilnehmern sehr geschätzt wurden – bis die Corona-Pandemie ab dem Sommersemester 2020 die für sein Fach zwingend erforderliche Form der Präsenzveranstaltung unterband.

Als Forscher hinterlässt Poethke ein umfangreiches Werk. Ein von 1967 bis 2009 reichendes Schriftenverzeichnis findet sich im Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete (APF, Bd. 55, Heft 2, 2009, S. 499–509), zu dessen Mitherausgebern Poethke zählte. Später ist neben kürzeren Beiträgen noch eine weitere Buchpublikation erschienen: Das Aktenbuch des Aurelios Philammon, neu bearbeitet von Günter Poethke, Sebastian Prignitz und Veit Vaelske (APF, Beiheft 34, Berlin/Boston 2012). – Schließlich sei auch noch auf eine frühe Publikation hingewiesen, der produktive Rezeption in der Belletristik zuteil wurde: und zwar die Übersetzung des spätantiken Äsop-Romans (Das Leben Äsops, aus dem Griechischen von Günter Poethke, mit Einleitung hg. u. erläutert von Wolfgang Müller, Leipzig 1974), auf der die Erzählung Gib ihm Sprache. Leben und Tod des Dichters Äsop von Hans Joachim Schädlich (Reinbek 1999) beruht. Vgl. das „Impressum“ dieses Buches, im Internet über den Link: Gib ihm Sprache / Vorbei - Hans Joachim Schädlich - Google Books (dort zu finden am Ende des Buchauszuges); ein Hinweis auch bei Peter von Möllendorff u. a. (Hgg.), Historische Gestalten der Antike. Rezeption in Literatur, Kunst und Musik (Der Neue Pauly, Suppl. 8), Stuttgart/Weimar 2013, S. 6.

Der Tod von Günter Poethke reißt im Institut in fachlicher wie in menschlicher Hinsicht eine große, schmerzliche Lücke.

 

Das Institut für Klassische Philologie, Humboldt-Universität zu Berlin

Unter den folgenden Links finden Sie weitere, z.T. sehr persönliche Zeugnisse, die von der hohen Wertschätzung Professor Poethkes zeugen:

https://list.ku.dk/hyperkitty/list/papy@lists.hum.ku.dk/thread/7FA2AMN3T2YETZ5AGBMKX23K4OPYGOWP/

https://list.ku.dk/hyperkitty/list/papy@lists.hum.ku.dk/thread/4CQ3UJF5U4HDNDL6KOH7667BXUXCISTS/

 

 

Heinrich Kuch, der 1988 auf eine Professur für Klassische Philologie an der Humboldt-Universität berufen wurde, nachdem er zuvor am Zentralinstitut für Alte Geschichte und Archäologie der Akademie der Wissenschaften der DDR tätig gewesen war, ist am 3.1.2020 im Alter von 88 Jahren verstorben. Neben seiner Dissertation über den Begriff Philologos und Studien zur Tragödie, besonders zu Euripides, bleibt seine Mitwirkung an verschiedenen Gemeinschaftswerken, die aus der Akademie hervorgingen, in Erinnerung.

 

Das Institut für Klassische Philologie, Humboldt-Universität zu Berlin

 

Dr. Ulrike Stephan ist nach schwerer Krankheit am 30. Juli 2018 gestorben. Sie war insbesondere als Studentin, studentische Hilfskraft und Wissenschaftliche Mitarbeiterin im SFB "Transformationen der Antike" über viele Jahre mit dem Institut und der Humboldt-Universität verbunden. Wir trauern mit ihren Angehörigen und gedenken ihrer mit Dankbarkeit.

 

Das Institut für Klassische Philologie, Humboldt-Universität zu Berlin

 

Dr. Günther Christian Hansen, Honorarprofessor an unserem Institut seit 1995, ist nach einem langen und produktiven Leben am 25. August 2013 verstorben. Wir denken an ihn, so viele Male „Bibliothecae Teubnerianae huius temporis redactor“, mit Hochachtung.

 

Das Institut für Klassische Philologie, Humboldt-Universität zu Berlin

 

Unser Kollege Dr. Martin Harbsmeier ist nach langer schwerer Krankheit am 23. August 2013 gestorben. Wir trauern mit seinen Angehörigen und gedenken seiner mit Bewunderung und Dankbarkeit.

 

Das Institut für Klassische Philologie, Humboldt-Universität zu Berlin