Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Galens Kommentar zu den Hippokratischen Aphorismen

Aphorismus des Monats Januar / Februar 2026

III.23

τοῦ δὲ χειμῶνος, πλευρίτιδες, περιπλευμονίαι, κόρυζαι, βράγχοι, βῆχες, πόνοι πλευρέων, στηθέων, ὀσφύος, κεφαλαλγίαι, ἴλιγγοι, ἀποπληξίαι.

Im Winter Brustfellentzündungen, Lungenentzündungen, Erkältungen, Heiserkeit, Husten, Schmerzen der Seite, der Brust, des unteren Rückens, Kopfweh, Schwindel, Lähmungen.

 

Im Kommentar äußert sich Galen zunächst dazu, dass die Krankheiten des Winters einfach aufgezählt werden. Er nimmt dies mit einer gewissen Verwunderung zur Kenntnis, da doch bei den weiteren Jahreszeiten immer bestimmte Krankheiten auch in der nachfolgenden Jahreszeit aufgetreten seien - nicht jedoch bei den winterlichen Krankheiten. Diese bezeichnet er im Folgenden als typisch für die Jahreszeit, da die Kälte die Atmungsorgane schädige. Auffälligerweise nennt Galen zusätzlich zu den im Lemma genannten Krankheiten schmerzende Nerven als wintertypisch, wobei er diese im Zusammenhang mit Kopf- und Schmerzen des unteren Rückens anführt: Wie Seitenschmerzen infolge der Kälte entstehen, so auch Kopfweh und Schmerzen des unteren Rückens - kurz: der Körperteile mit vielen Nerven (γίγνονται δ' ὥσπερ τῶν πλευρῶν οἱ πόνοι διὰ τὴν ψύξιν, οὕτω καὶ τῆς κεφαλῆς καὶ τῆς ὀσφύος καὶ ἁπλῶς τῶν νευρωδῶν.). Als Ursache für Schwindel und Lähmungen erkennt Galen schließlich Schädigungen im Inneren des Kopfes, welche ihrerseits auf einen Stau von Phlegma im Kopfbereich zurückzuführen seien. Damit verweist Galen am Abschluss seines Kommentars zu diesem Lemma auf die von ihm weiterentwickelte Humoralpathologie.

Link zum kompletten Aphorismenarchiv