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Humboldt-Universität zu Berlin - Faculty of Language, Literature and Humanities - Alexander von Humboldt Professorship

Wintersemester 2013/2014

 

Traum und Traumdeutung in der griechischen Literatur, Philosophie und Medizin

VL | Di 16–18 | wöch. | UL 6, 3059| Ph. van der Eijk

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Der Traum nahm in der griechischen Gesellschaft, Kultur und Religion eine wichtige Stellung ein. Er galt als ein ambivalentes Phänomen, das heilsam und nützlich, aber auch furchterregend und gefährlich sein konnte und dessen Bedeutung nicht immer eindeutig war. Der Glaube an die göttliche Herkunft von Träumen war weit verbreitet und im Kult von Asklepios wurde der Traum sogar als Weg zur Heilung angesehen. Philosophen reflektierten über das Wesen und die Entstehungsweise von Träumen als Produkt der Psyche. Ärzte benutzten den Traum als diagnostisches Indiz zur Bestimmung des Körperzustands von Patienten. Im Epos, in der Geschichtsschreibung und in der Tragödie wurde der Traum als Motiv zur Veranschaulichung der inneren Motivation der handelnden Personen literarisch gestaltet.

In dieser Vorlesung werden wir uns sowohl literarische Darstellungen von Träumen als auch die theoretische Erklärung und die praktische Deutung von Träumen in einer Reihe von griechischen und lateinischen Texten ansehen.

Literatur: B. NÄF, Traum und Traumdeutung im Altertum, Darmstadt 2004.; W.V. HARRIS, Dreams and Experience in Classical Antiquity, Cambridge, Mass./London 2009; Ch. WALDE, Die Traumdarstellungen in der griechisch-römischen Dichtung, München 2001.

 

Seneca, Epistulae morales ad Lucilium

HS | Mo 16-18 | wöch. | UL 6, 3053| R. Lo Presti

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Die Epistulae ad Lucilium sind eine aus 20 Büchern bestehende Sammlung von 124 Briefen, die der römische Philosoph, Naturforscher, Dramatiker und Staatsmann Lucius Annaeus Seneca am Ende seines Lebens schrieb. Als philosophische Briefsammlung stellen sie ein Unikum im Rahmen der lateinischen Literatur dar, obwohl Seneca die Idee, philosophische Briefe zu verfassen, von Plato und Epikur übernommen hatte. Aus inhaltlichen und stilistischen Gründen sind diese philosophischen Briefe als einer der Höhepunkte des Schaffens von Seneca zu betrachten und im Allgemeinen als eines der Meisterwerke der römischen Philosophie und eine der wichtigsten Quellen über die stoische Philosophie, die wir besitzen.

Durch die Verwendung der Briefform versucht Seneca, den philosophischen Diskurs als paränetischen Dialog – anders gesagt, als Weg zur ethischen Bildung - zu gestalten. Die Themen, mit denen sich Seneca in diesen Briefen befasst, decken fast alle thematischen Bereiche und fast alle Hauptfragen ab, die sich in Bezug auf die stoische Lehre entwickelt hatten: Wozu soll man die Philosophie ausüben? Was ist die Zeit und welche Bedeutung hat sie für das menschliche Leben? Wie kann man – und warum soll man – sich zum höchsten Gut hinwenden? In welcher Beziehung stehen die Vernunft und der Götterbegriff? Wie kann man sich Schmerz, Krankheit und Tod in richtiger und philosophisch begründeter Weise vorstellen? Und wie kann man ihre geistige Bewältigung erreichen? Hat die Angst vor dem Tod eine Begründung und wie kann man sich von dieser Angst befreien? Wie sind ein Leben nach der Natur und ein vernunftgemäßes Leben zu bestimmen?

In diesem Seminar werden diese Themen durch die Lektüre ausgewählter Briefe in Betracht gezogen. Wir werden uns sowohl mit inhaltlichen als auch mit stilistischen, sprachlichen und rhetorischen Aspekten der Prosa Senecas beschäftigen.

Literatur (eine vollständige Literaturliste wird bei der ersten Seminarsitzung zirkulieren): Seneca, Briefe an Lucilius/Epistulae Morales ad Lucilium, herausgegeben und übersetzt von G. FINK, 2. Bände, Artemis & Winkler Verlag (Sammlung Tusculum), 2007; E. HACHMANN, Die Führung des Lesers in Senecas Epistulae morales. Orbis antiquus (Heft 34), Aschendorff, Münster, 2000; G. MAURACH (Hrsg.), Seneca als Philosoph, 2. Aufl., Darmstadt 1987; P. VEYNE, Weisheit und Altruismus. Eine Einführung in die Philosophie Senecas, Frankfurt a.M. 1993.

 

Kosmogonie und Kosmologie im griechischen Altertum

HS | Di 16-18 | wöch. | UL 6, 3053| R. Lo Presti / St. Kouloumentas

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Welche philosophischen Auffassungen der Welt, ihrer Genese, ihrer inneren Struktur und ihrer äußeren sichtbaren Eigenschaften wurden im Altertum entwickelt? Wie stellte man die kosmischen Prozesse sowie den (Ur)Stoff dar, woraus alle Dinge bestehen? Welche Gesetze oder (göttlichen bzw. vernünftigen) Kräfte wurden als verantwortlich für die kosmische Ordnung aufgefasst? In welcher Hinsicht unterscheiden sich materialistische/deterministische und teleologische Kosmologien? Welche Modelle (politische? technologische? mathematische? biologische?) wurden auf die Beschreibung der Welt und ihrer Eigenschaften angewandt? Gibt es insbesondere mit Verweis auf Platons Timaios und auf die medizinischen Texte des Corpus Hippocraticum eine Beziehung zwischen Kosmologie und Anthropologie? Welcher Beitrag zur kosmologischen Lehre der Antike wurde von den philosophischen Schulen der hellenistischen Zeit gegeben?

In diesem Seminar werden wir die kosmologischen Lehren ins Auge fassen, die im alten Griechenland vom 8. Jahrhundert v. Chr. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. entwickelt wurden. Nach einer Einführungssitzung, in der wir allgemeine methodologische und historiographische Probleme vorstellen und diskutieren werden, werden wir uns zuerst mit den sogenannten „vorphilosophischen“ griechischen Kosmologien (Hesiod, Alcman, Pherecydes) und mit den vorderasiatischen Kosmogonien befassen. Danach wird die kosmologische Lehre des Anaximander, Parmenides und Anaxagoras in Betracht gezogen werden. Eine Sitzung wird einem medizinischen Text – der hippokratischen Schrift De Victu – gewidmet sein, deren erstes Buch eine detaillierte Kosmogonie enthalt. Die platonische Kosmologie wird durch eine Lektüre von ausgewählten Textabschnitten des Timaios in Betracht gezogen werden; was Aristoteles angeht, werden wir Textabschnitte von De generatione et corruptione und De coelo lesen und kommentieren. Danach werden wir auf die stoische, epikureische und neo-platonische Kosmologie fokussieren. Die Abschlusssitzung wird in einer allgemeinen Diskussion und in einem Überblick der modernen kosmologischen Lehren bestehen.

Das Seminar wird sowohl für Philosophie als auch für Studenten der Klassischen Philologie angeboten und setzt eine Grundkenntnis der griechischen Philosophie sowie der griechischen und lateinischen Sprache voraus. Alle Texte werden in der Originalsprache sowie in (deutscher oder englischer) Übersetzung bereitgestellt werden. Das Seminar wird zweisprachig sein. Dr. Lo Presti wird sowohl auf Deutsch als auch auf englisch sprechen; Dr. Kouloumentas wird auf Englisch sprechen. Alle TeilnehmerInnen sind natürlich frei, ihre Beiträge (Referate, Diskussionsfrage und Bemerkungen) sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch zu geben.

Literatur: Furley, D., The Greek Cosmologists, Cambridge 1987; Joachim, H. H. (ed.), Aristotle On Coming-to-be and Passing-away, Oxford 1922; Kahn, C. H., Anaximander and the Origins of Greek Cosmology, New York, London 1960; Kirk, G. S., Raven, J. E. and Schofield, M. (eds.), The Presocratic Philosophers: A Critical History with a Selection of Texts, 2nd edition, Cambridge 1983; Lloyd, G. E. R., Polarity and Analogy: Two Types of Argumentation in Early Greek Thought, Cambridge 1983; Long, A. A. and D. N. Sedley (eds.), The Hellenistic Philosophers, 2 vols. Cambridge 1987; Sedley, D. N., Creationism and Its Critics in Antiquity, Berkeley, Los Angeles, London 1987; Taylor, A. E., A Commentary on Plato’s Timaeus, Oxford 1928; Vlastos, G. Plato’s Universe, Seattle 1975; Wright, Μ. R., Cosmology in Antiquity, London, New York 1995.

 

Die Parapresbeia-Reden des Demosthenes und Aischines

SE | Di 10-12 | wöch. | UL 6, 3053| O. Overwien

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In der Mitte des 4. Jhs. v. Chr. erlebte Athen politisch höchst turbulente Zeiten. Es gab große Spannungen mit den Makedonen unter Philipp, die sich auch innenpolitisch niederschlugen. So hatte Demosthenes seinen ehemaligen Mitgesandten an Philipp, Aischines, wegen staatsverräterischer Verhandlungsführung angeklagt. Aischines konterte diese Anklage jedoch und erreichte einen Freispruch. Dieser Konflikt wurde über die beiden Reden „Über die Truggesandtschaft“ ausgetragen.

In der Übung sollen größere Passagen aus beiden Werken gelesen werden. Denn gerade durch ihren Vergleich werden nicht nur die unterschiedlichen politischen Ansichten, sondern auch die rhetorischen Stärken und Schwächen von zwei der bedeutendsten athenischen Politiker des 4. Jhs. deutlich.

Textausgaben: Demosthenis Orationes, ed. by M. Dilts, t. II, Oxford 2005; Aeschines Orator, Orationes, ed. by M. Dilts, Stuttgart 1997.

Kommentare: Paulsen, Th., Die Parapresbeia-Reden des Demosthenes und des Aischines. Kommentar und Interpretationen zu Demosthenes, or. XIX, und Aischines, or. II, Trier 1999; McDowell, D., Demosthenes, On the false embassy (Oration 19). Oxford 2000.

 

Medizin auf Latein

PL | Di 14-16 | wöch. | UL 6, 3053| O. Overwien

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Wie es in jeder Gesellschaft der Fall ist, spielte die Heilkunde auch für die Römer gerade im Alltag eine wichtige Rolle. Und selbst wenn uns im Vergleich zur griechischen Tradition nur relativ wenige Quellen auf Latein erhalten geblieben sind, so reichen sie dennoch aus, um uns eine Vorstellung von den wesentlichen Charakteristika der römischen Medizin zu geben, die uns heutzutage zum Teil sehr vertraut, zum Teil aber auch sehr fremd erscheint. (Es gab z.B. keine Krankenhäuser; dafür war die Tempelmedizin sehr verbreitet.)

In der Übung wird es unter anderem um magische Praktiken, Naturheilkunde, die Bedeutung von Medikamenten und ethische Vorschriften für den Arzt gehen.

Die zu lesenden Texte stammen von Autoren wie Cato, Celsus oder Plinius dem Älteren.

Literatur: V. Nutton, Roman Medicine: Tradition, Confrontation, Assimilation, in: ANRW II 37.1 (1993), S. 49-78; A. Krug, Heilkunst und Heilkult, 2. Auflage, München 1993.

 

Der griechische Roman: Achilleus Tatios' Leukippe und Kleitophon

UE | Di 12-14 | wöch. | UL 6, 3053| Chr. Savino

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Nach unserer Auffassung gehören zum griechischen Roman einige erzählende Liebes- und Abenteuergeschichten und insbesondere fünf in voller Länge erhaltene Werke der Kaiserzeit von Chariton, Xenophon von Ephesos, Longos, Heliodor und Achilleus Tatios.

Im Mittelpunkt dieses Kurses steht der in acht Büchern eingeteilte Roman von Achilleus Tatios Leukippe und Kleitophon. In diesem Roman werden die Liebenden während der Reise nach Tyrus auseinandergerissen. Da gibt es Intrigen, Räuber, den Scheintod der Hauptheldin, ihren Verkauf als Sklavin, dann neue Verwicklungen, und erst am Schluss kommt es zur Wiedervereinigung des Paares.

Aber während Kriege, Irrfahrten, Heimkehr und Wiedervereinigung des Paares für alle griechischen Romane Grundmotive darstellen, enthält Achilleus Tatios’ Leukippe und Kleitophon darüber hinaus verschiedene Besonderheiten wie z.B. Ich-Erzählung, umgedrehte Handlungsschemata, psychologischen Realismus und zahlreiche wissenschaftliche und doxographische Ekphraseis.

Ziel des Kurses ist es, ausgewählte Passagen des (in der Koine verfassten) Romans zu übersetzen. Insbesondere werden die oben genannten Ekphraseis berücksichtigt, um sie mit ihren literarischen Quellen vergleichen zu können.

Einführung: N. Holzberg, Der antike Roman (Artemis Einführungen 25), München-Zürich 2001.

Literatur: E. Rohde, Der griechische Roman und seine Vorläufer, Leipzig 1876 (Nachdruck 3. Auflage, Leipzig 1914); C. W. Müller, Der griechische Roman, in: E. Vogt (Hrsg.), Griechische Literatur (Neues Handbuch d. Literaturwiss. 2), Wiesbaden 1981, Ss. 377-412; B. Kytzler, Im Reiche des Eros. Sämtliche Liebes- und Abenteuerromane der Antike, 2 Bde., München 1983 (dt. Übersetzung)

Kritische Ausgaben: E. Vilborg, Achilles Tatius. Leucippe and Clitophon (Studia Graeca et Latina Gothoburgensia 1), Göteborg 1955 (Mit Kommentar); J.-P. Garnaud, Le roman de Leucippé et Clitophon d'Achille Tatius d'Alexandrie (C.U.F. série grecque), Paris 1991 (Nachdruck 4. Auflage, Paris 2010).