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Humboldt-Universität zu Berlin - Faculty of Language, Literature and Humanities - Alexander von Humboldt Professorship

Sommersemester 2017

Philosophisches Kolloquium

CO | Mo 10-12 | wöch. | UL 6, 3053 | Ph. van der Eijk

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In this weekly colloquium, we will consider aspects of the relationship between philosophy and the special sciences in the ancient world. Students will have the opportunity to present work in progress; there will also be presentations by visiting speakers. Those interested in participating are asked to contact Philip van der Eijk, philip.van.der.eijk@hu-berlin.de.

 

Traum und Traumdeutung in der antiken Literatur, Philosophie und Medizin

UE | Di 12-14 | wöch. | UL 6, 3053 | Ph. van der Eijk

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Der Traum nahm in der griechischen Gesellschaft, Kultur und Religion eine wichtige Stellung ein. Er galt als ein ambivalentes Phänomen, das heilsam und nützlich, aber auch furchterregend und gefährlich sein konnte und dessen Bedeutung nicht immer eindeutig war. Der Glaube an die göttliche Herkunft von Träumen war weit verbreitet und im Kult von Asklepios wurde der Traum sogar als Heilungsmethode angesehen. Philosophen reflektierten über das Wesen und die Entstehungsweise von Träumen als Produkt der Psyche und Ärzte benutzten den Traum als diagnostisches Indiz zur Bestimmung des Körperzustands von Patienten. Im Epos, in der Geschichtsschreibung und in der Tragödie wurde der Traum als Motiv zur Veranschaulichung der inneren Motivation der handelnden Personen literarisch gestaltet.

In diesem Seminar werden wir uns sowohl literarische Darstellungen von Träumen als auch die theoretische Erklärung und die praktische Deutung von Träumen in einer Reihe von griechischen und lateinischen Texten ansehen. Die Texte werden sowohl im Original als auch in Übersetzung angeboten, so dass das Seminar sowohl für klassische Philologen als auch für Studierende anderer Fächer zugänglich ist.

Literatur: B. Näf, Traum und Traumdeutung im Altertum, Darmstadt 2004. W.V. Harris, Dreams and Experience in Classical Antiquity, Cambridge, Mass./London 2009. Ch. Walde, Die Traumdarstellungen in der griechisch-römischen Dichtung, München 2001.

 

Aristoteles über die Ursprünge des Lebens und die Entwicklung von Seele und Körper / Aristotle on the Origins of Life and on the Development of Soul and Body Aristoteles über die Ursprünge des Lebens und die Entwicklung von Seele und Körper / Aristotle on the Origins of Life and on the Development of Soul and Body

PS | Mi 14-16 | wöch. | UL 6, 3053 | Ph. van der Eijk

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Aristoteles gilt als der erste Philosoph, der systematisch und theoretisch über die Frage nach dem Ursprung und dem Wesen des Lebens nachgedacht hat. Was heißt Leben, wie kommt es zustande? Welche Formen und Niveaus von Leben lassen sich unterscheiden? Wie muss man die Fortpflanzung verstehen? Welche Faktoren bestimmen die Art und das Geschlecht des neuen Lebewesens und ob es seiner Mutter oder seinem Vater gleicht? Und welche Faktoren beeinflussen die weitere Entwicklung der Seele und des Körpers eines Lebewesens, sein Wachstum, seine Gesundheit und Lebenslänge? – Bei der Beantwortung dieser Fragen benutzt Aristoteles nachdrücklich Begriffe aus seiner Metaphysik wie Stoff und Form, Potentialität und Aktualität und seine Lehre der vier Ursachen, um das Phänomen des Lebens zu durchgründen. Gleichzeitig war Aristoteles aber auch Naturforscher, der aus einer großen Sammlung empirischer Beobachtungen schöpfte und der bunten Vielfalt der biologischen Realität gerecht werden wollte. Die Fortpflanzung der Bienen und der Pflanzen interessiert ihn nicht weniger als die Tatsache, dass ‘ein Mensch einen Menschen zeugt’. Auch berücksichtigt und überprüft er die Ansichten von Bauern und Fischern und die Vorstellungen von Ärzten seiner Zeit. In diesem Seminar werden wir ausgewählte Kapitel aus Aristoteles’ Schriften über die Fortpflanzung, über die Seele und aus seinen kleineren naturwissenschaftlichen Schriften (in Übersetzung) auf ihre Benutzung theoretischer und empirischer Elemente hin durcharbeiten und sehen, wie erstaunlich aktuell die Ansichten des Aristoteles immer wieder sind.

Textausgaben: Aristoteles, Über die Seele, übers. Klaus Corcilius, Reclam, 2017; Aristoteles. Fünf Bücher von der Zeugung und Entwicklung der Tiere, übers. H. Aubert, F. Wimmer (Nachdruck Beck, München 2014), oder Aristotle. On the Generation of Animals, übers. A. Peck, Loeb Classical Library, 1942; Aristoteles, Kleine naturwissenschaftliche Schriften, Übers. K. Dönt, Reclam, 2010

Literatur: Henry, "Generation of Animals", in G. ANAGNOSTOPOULOS (ed.), A Companion to Aristotle, Wiley-Blackwell, Oxford, pp. 368-383; Falcon, D. Lefèvre (eds.) Aristotle: On Generation of Animals, Cambridge 2017.

 

Einführung in das griechische Drama

GK | Mi 10-12 | wöch. | UL 6, 3071 | O. Overwien

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In dieser Lehrveranstaltung sollen die Studierenden einen Überblick über die Inhalte, die Sprache und die Metrik des griechischen Dramas erhalten. Zudem soll der historische, religiöse und politische Kontext der Tragödie herausgearbeitet werden.
Im Zentrum des Kurses werden die Trachinierinnen des Sophokles stehen: Herakles bringt von einem Kriegszug eine Geliebte mit nach Hause. Seine Ehefrau Deianeira versucht seine Liebe mit Hilfe eines schmucken Kleidungsstückes zurückzuerlangen, was jedoch die erwartbaren Konsequenzen hat: Weder sie noch Herakles überleben das Stück.
(Die Oxford-Edition [s.u.] wird im Handapparat stehen. Kopien des Textes sind bitte selbständig anzufertigen.)

Voraussetzung zum Erwerb der Studienpunkte sind neben regelmäßiger Teilnahme die sorgfältige Vorbereitung der zu behandelnden Texte und die Übernahme eines Kurzreferats.

Textausgabe: Sophoclis Fabulae, ed. H. LLOYD-JONES/N. G. WILSON, Oxford 1990.
Einführende Sekundärliteratur: B. ZIMMERMANN, Die griechische Tragödie, 2. Auflage, München 1992; G.A: Seeck, Die griechische Tragödie, Stuttgart 2000; J. LATACZ, Einführung in die griechische Tragödie, 2. Auflage Göttingen 2003.
(Zumindest eines dieser Bücher sollte angeschafft werden. Sie sind antiquarisch sehr günstig zu erwerben.)

 

Griechische Paläographie

UE | Do 16-18 | wöch. | UL 6, 3052 | O. Overwien

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In der Übung sollen die Charakteristika der wichtigsten Schriftstile durch gemeinsame Lektüre erarbeitet werden, so dass die Teilnehmer am Ende leicht lesbare griechische Handschriften problemlos entziffern können. Der Schwerpunkt wird in diesem Semester auf der Minuskel liegen.
Viele Handschriften sind mittlerweile auch online einsehbar, so dass man darüber hinaus einen ersten Eindruck von der mittelalterlichen Buchkunst bekommt. Ein Gang in die Staatsbibliothek am Ende des Semesters wird außerdem die Möglichkeit bieten, einige Handschriften im Original anzuschauen.

Es ist angedacht, dass die Studierenden die Übung im Wintersemester 17/18 durch den Besuch eines Editionskurses fortsetzen können, da einige der „entzifferten“ Handschriften die Grundlage für den zu edierenden Text bilden werden.

Literatur: H. Hunger, Antikes und mittelalterliches Buch- und Schriftwesen, in: Geschichte der Textüberlieferung der antiken und mittelalterlichen Literatur, Bd. 1, Zürich 1961, S. 25-148.

 

Medizin auf Latein

UE | Di 10-12 | wöch. | UL 6, 3053 | O. Overwien

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Naturgemäß spielte die Heilkunde für die Römer eine wichtige Rolle. Und selbst wenn uns im Vergleich zur griechischen Tradition nur relativ wenige Quellen auf Latein erhalten geblieben sind, so reichen sie dennoch aus, um uns eine Vorstellung von den wesentlichen Charakteristika der römischen Medizin zu geben, die uns heutzutage zum Teil sehr vertraut, zum Teil aber auch eher fremd erscheint: Es gab z.B. keine Krankenhäuser; das Aufschneiden von Leichen zu Forschungszwecken lehnte man strikt ab.
In der Übung wird es unter anderem um magische Praktiken, Naturheilkunde, die Bedeutung von Medikamenten und ethische Vorschriften für den Arzt gehen. Die zu lesenden Texte stammen von Autoren aus ganz unterschiedlichen Epochen: In die Anfangszeit der lateinischen Literatur gehört Cato. Celsus, der auch als Cicero der Medizin galt, sowie Plinius der Ältere sind der frühen Kaiserzeit zuzurechnen, der eher weniger bekannte Marcellus dagegen der Spätantike.
Die zu übersetzenden Texte werden den Teilnehmern zur Verfügung gestellt.

Einführende Literatur: V. NUTTON, Roman Medicine: Tradition, Confrontation, Assimilation, in: ANRW II 37.1 (1993), S. 49-78; A. KRUG, Heilkunst und Heilkult, 2. Auflage, München 1993; E. Künzl, Medizin in der Antike, Stuttgart 2002.

 

Ovid, Ars Amatoria

GK | Do 10-12 | wöch. | UL 6, 3071 | O. Overwien

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Ovid gehört zu den wichtigsten Vertretern der römischen Liebesdichtung. In seiner Ars Amatoria präsentiert er eine Anleitung für Männer und Frauen, einen Partner zu finden und an sich zu binden. Durch die Lektüre ausgewählter Passagen sollen gattungsspezifische Eigenheiten wie Sprache, Thematik und Metrik erarbeitet werden. Darüber hinaus wird es darum gehen, die Zeitbezüge des Werks offenzulegen und so einen ersten Einblick in die augusteische Kultur und Politik zu erhalten. Ausführliche Vergleiche mit Ovids Amores sollen schließlich dazu beitragen, sein spezielles Konzept von Liebe zu verstehen.
Voraussetzung zum Erwerb der Studienpunkte sind neben regelmäßiger Teilnahme die sorgfältige Vorbereitung der zu behandelnden Texte und die Übernahme eines Kurzreferats.

Textausgabe: P. Ovidi Nasonis Amores, Medicamina Faciei, Ars Amatoria, Remedia Amoris, ed. E. J. KENNEY, 2. Auflage, Oxford 1994, verbesserter Nachdruck 1995 (u.ö.)
Literatur: U. SCHMITZER, Ovid, 2. Aufl., Hildesheim 2011; K. VOLK, Ovid. Dichter des Exils, Darmstadt 2012.

 

Augustinus, Soliloquia

SE | Do 14-16 | wöch. | UL 6, 3053 | R. Lo Presti

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n dieser Übung werden wir die Soliloquia, eines der faszinierendsten Werke Augustins, lesen. In diesem aus zwei Büchern bestehenden Werk befasst sich Augustin mit Fragen –, die uns zum Kern seiner theologischen, philosophischen und erkenntnistheoretischen Erwägungen unmittelbar führen: Was ist eine Seele und wie kann man die Natur der Seele erkennen? Was typisch für Augustin und besonders für die Soliloquia ist, ist die Selbstbetrachtung und die Selbsterforschung als Weg zur „wahrhaften“ Erkenntnis. Deshalb geht es hier nicht um eine abstrakte Untersuchung der Seele als Gegenstand philosophischer bzw. theologischer Betrachtung, sondern vielmehr um eine kontemplative Reise ins Innere des Selbst, wodurch Augustin die analytische und maieutische Wirkung des philosophischen Dialogs zum Instrument der Introspektion und der Selbsterkenntnis macht. Aber genau wie es für die Gattung des philosophischen Dialoges üblich ist, auf Wissensinhalte und Wissensfragen anzuspielen und hinzuweisen, die im Text nicht ausdrücklich zur Sprache kommen, so weist auch in den Soliloquia Augustins die Suche nach der eigenen Seele auf die Suche nach Gott und das Gespräch mit sich selbst auf das Gespräch mit Gott hin.

Literatur: Augustinus, Soliloquia, in Corpus Scriptorum Ecclesiasticorum Latinorum, Band 89, Wien 1986; Augustinus, Selbstgespräche, hrsg. und übers. von Harald Fuchs, Berlin 2002; E. Stump, N. Kretzman (Hg.), The Cambridge Companion to Augustine, Cambridge 2001.

 

Petrarca, Secretum

SE | Mo 14-16 | wöch. | UL 6, 3053 | R. Lo Presti

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Das Secretum ist ein in Dialogform verfasstes und aus drei Büchern bestehendes Werk, das Francesco Petrarca in der Zeitspanne zwischen 1347 und 1353 schrieb und in dem er die Wahrhaftigkeit seines Glaubens mit der Hilfe von Augustinus von Hippo und in der stillen Anwesenheit der Wahrheit prüft. Dieses Werk, das erst nach Petrarcas Tod Verbreitung fand, wurde sehr wahrscheinlich ursprünglich eher als Instrument der Selbstprüfung und Selbstbetrachtung denn als Werk für ein breiteres Publikum konzipiert. Im ganzen Werk spielt Augustinus eine vorherrschende Rolle sowohl als strenger Prüfer und Tadler der gottlosen und den Lüsten gewidmeten Lebensweise Petrarcas als auch als positives Vorbild, das Petrarca zur Selbstkritik und letztendlich zu einer existentiellen Wende, die ihn zur Ablehnung der weltlichen Lüste und zur Stärkung seines freien Willens führt, ermahnt.
Das Secretum kann auch als Petrarcas anspruchsvollster Versuch betrachtet werden, seinen Humanismus und die Bewunderung für das klassische Altertum mit seinem christlichen Glauben zu vereinbaren.
Im Seminar werden wir ausgewählte Abschnitte aus allen drei Büchern des Secretum betrachten und die wichtigsten Aspekte dieses faszinierenden Werkes erörtern.

Literaturliste: Francesco Petrarca, Secretum meum, hrsg.und übers. von G. Regn, Mainz 2013; H. Baron, Petrarch's Secretum: Its Making and Its Meaning, Medieval Academy of Amer 1985; Davy A. Carozza, Howard J. Shey, Petrarch's Secretum with Introduction, Notes, and Critical Anthology, New York 1989.

 

Platon, Philebus / Platon, Philebos

HS | Do 16-18 | wöch. | UL 6, 3053 | R. Lo Presti

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Das Hauptthema, mit dem sich Platon in seinem Dialog Philebos befasst, ist die ethische Bewertung der Lust. Ausgangspunkt dieser Betrachtung von entscheidender Bedeutung für die Gründung einer praktischen Philosophie ist der Streit zwischen Philebos und Protarchos, die eine hedonistische Position vertreten, indem sie die Lust als höchsten Wert betrachten und sie mit dem schlechthin Guten gleich setzen, und Sokrates, der die Gegenposition vertritt und der Einsicht und der Vernunft Vorrang einräumt. Die Berechtigung und den Wert der Lust bestreitet er zwar nicht, doch zeigt er die Verschiedenartigkeit der Lüste auf und tritt für eine differenzierte Beurteilung ein. Er verwirft manche Arten der Lust, da sie schädlich seien, und billigt den übrigen, den „reinen“ Lüsten, nur einen untergeordneten Rang in der hierarchischen Wertordnung zu. Die Unterscheidung zwischen den Lustarten führt zu allgemeinen Überlegungen über die Einheit und Vielheit von Arten, die unter einem Oberbegriff zusammengefasst werden, und über die Gattungen, in die sich alles Seiende aufteilen lässt. Lust und Unlust treten im menschlichen Leben in verschiedenen Erscheinungsformen und Mischungsverhältnissen auf. Sokrates untersucht die Ursachen, die Entstehung und die Beschaffenheit dieser Faktoren und ihrer wechselnden Kombinationen, die verschiedenartige Gemütszustände ergeben. Die Besonderheiten der einzelnen Lustformen werden herausgearbeitet und die Gründe für deren unterschiedliche Bewertung dargelegt. Am Ende des Dialogs präsentiert Sokrates eine universale Wertordnung. Darin nimmt das richtige Maß, die Verhältnismäßigkeit, den obersten Platz ein und die Lust – soweit sie berechtigt ist – den untersten. Schädliche Lüste sind zu meiden. Die rechte Mischung der erwünschten Faktoren soll ein gelungenes Leben ermöglichen und einen ausgeglichenen Gemütszustand herbeiführen. Protarchos sieht das ein, Philebos äußert sich nicht mehr.

Das Philebos ist aber auch ein der Werke Platons, in denen sich praktische und theoretische Philosophie am deutlichsten und am engsten miteinander verknüpfen, weil die sokratische Unterscheidung zwischen den Lustarten auf eine Einteilung alles Seienden in vier Klassen beruht, welche Einteilung auf Platons Ideen- und Prinzipienlehre hinzuweisen scheint.  Beim Seminar werden wir uns mit allen Kernfragen, die im Dialog erörtert werden, gründlich befassen. Besondere Aufmerksamkeit werden wir auf das Verhältnis zwischen Ethik und Ontologie und dessen Bedeutung für die Entwicklung der platonischen Philosophie richten.

Das Seminar wird stark diskussionsorientiert sein und setzt deshalb eine aktive Teilnahme voraus. Die Kenntnis der griechischen Sprache ist willkommen, aber nicht erforderlich. Wir werden den Text in deutscher Übersetzung lesen, wobei wir auf den griechischen Text in systematischer Weise verweisen werden, um Kernbegriffe zu verdeutlichen.

Literatur: Eine vollständige Primär- und Sekundärliteraturliste wird in der ersten Seminarsitzung zur Verfügung gestellt werden.

 

Wie man die Geschichte schreiben soll

SE | Mo 16-18 | wöch. | UL 6, 3053 | R. Lo Presti

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Was ist Geschichtsschreibung und wie soll man Geschichte schreiben? Worauf soll Geschichtsschreibung zielen, was soll sie beachten, welche Geisteshaltung zu den „Fakten“ und zur „Wahrheit“ soll der Geschichtsschreiber einnehmen? Und: Gibt es tatsächlich solch ein Ding wie eine „historische Wahrheit“ und in welchem Verhältnis stehen Objektivität und Subjektivität sowie auch Bekanntes und Unbekanntes zueinander, wenn es darum geht von der Ebene der Sammlung und Rekonstruktion der Fakten zur Ebene der Erzählung überzugehen? Diesen Fragen, die schon in der Antike sowie auch in unserer Zeit von entscheidender Bedeutung für die Bestimmung des Nutzens und des Wissenschaftlichkeitsgrades der Geschichtsschreibung sind, ist dieses Seminar gewidmet. Ausgangspunkt unserer Betrachtungen werden folgende Texte sein: (1) exemplarische Proömien zu historiographischen Werken der Antike (Herodot, Thukydides; Xenophon); (2) Lukians Werk „Wie man die Geschichte schreiben soll“; (3) Paul Veynes Werke „Geschichtsschreibung - Und was sie nicht ist“ und „Die Originalität des Unbekannten: Für eine andere Geschichtsschreibung”.

Literatur: Textauswahl aus Herodot, Thukydides, Xenophon (wird am Anfang des Seminars verteilt); Lukian, Wie man Geschichte schreiben soll, hrsg. und übers. von Helene Homeyer, München 1965; R. Porod, Lukians Schrift "Wie man Geschichte schreiben soll": Kommentar und Interpretation, Wien 2013; A. Free, Geschichtsschreibung als Paideia: Lukians Schrift 'Wie man Geschichte schreiben soll' in der Bildungskultur des 2. Jahrhunderts n. Chr., München 2015; P. Veyne, Geschichtsschreibung - Und was sie nicht ist, Berlin 1990; P. Veyne, Die Originalität des Unbekannten: Für eine andere Geschichtsschreibung, Frankfurt am Main, 1988.

 

Liebe als Krankheit: Poetische und Medizinische Perspektiven

SE | Do 12-14 | wöch. | UL 6, 3059 | C. Thumiger

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In diesem Seminar werden wir verschiedene griechische und lateinische Quellen analysieren, die das Thema Liebe und Krankheit behandeln. Wir werden dabei die literaturgeschichtliche Entwicklung von poetischen Modellen verfolgen, beginnend bei Sapphos bekannter Beschreibung von Liebessymptomen und deren Rezeption und Bearbeitung von anderen Autoren. Daneben werden wir auch die relevanten medizinischen Ansätze zum Thema untersuchen: Welche Ähnlichkeiten zwischen Liebe und psychischer Störung wurden erkannt? Welche Ursachen wurden angesetzt? Welche Therapien und welche bekannten klinischen Fälle gab es? Wir werden uns in diesem Zusammenhang mit Texten der archaischen griechischen Dichtung (Homer, Lyrik), der hellenistischen Dichtung (Theokrit, Apollonios Rhodios) sowie mit literarischen Quellen der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung beschäftigen (insbesondere mit Vergil, der römischen Elegie und dem spätantiken Epyllion Aegritudo Perdiccae), aber auch philosophische (Platon, Aristoteles, Lukrez) und medizinische Texte (Galen, Aretaios, Caelius Aurelianus und andere medizinische Autoren der römisch-griechischen Tradition) lesen und kommentieren.

Allgemeine bibliografische Empfehlungen: D.W. AMUNDSEN, Romanticising the ancient medical profession: The characterisation of the Physician in the Graeco-Roman World, BHM 48 (1974), 328-337. D. BEECHER / M. CIAVOLELLA (eds.), J. Ferrand. A treatise on Lovesickness. Syracuse University Press 1990, 3–202 (Introduction). L. MCNAMARA, Hippocratic and non-Hippocratic Approaches to Lovesickness, in: L. DEAN-JONES / R. M. ROSEN (ed.), Ancient Concepts of the Hippocratic. Leiden/Boston 2016, 308–27. E. SANDERS / C. THUMIGER / C. CAREY / N. J. LOWE (eds.), Erôs in Ancient Greece, Oxford 2013 (darin v.a. die Beiträge von THUMIGER, 27–40 u. ROSEN, 111–128). P. TOOHEY, Love, lovesickness and melancholia, ICS 17 (1992), 265–86. P. TOOHEY, Melancholy, Love, and Time: Boundaries of the Self in Ancient Literature, Ann Arbor 2004.