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Humboldt-Universität zu Berlin - Faculty of Language, Literature and Humanities - Alexander von Humboldt Professorship

Sommersemester 2013

 

Ancient Natural Philosophy and Teleology

HS | Di 16-18 | wöch. | DOR 24, 1.505 | Ph. van der Eijk / St. Menn

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Plato criticizes pre-Socratic physicists for failing to offer teleological explanations, and he criticizes physics as being merely narrative, without definitions or demonstrations, and thus unscientific. In the Timaeus he offers an alternative physics which explains as much as possible by the demiurge's purpose to make the world as good as possible, but this physics remains narrative and unscientific. Both Aristotle and the Stoics agree with Plato's critique of pre-Socratic physics, but they try to show that a reconstructed teleological physics (including biology and psychology) can be scientific; indeed, the Stoics try to show that physics can be the kind of science that Socrates had said would be necessary and sufficient for virtue. Both Aristotle and the Stoics examine how far the production of things by nature is analogous to the production of things by art or craft. To the extent that the analogy holds, it seems that we should try to understand natural things, as if they were produced by deliberation for some purpose, by reconstructing the series of thoughts that would have led to their production. For Aristotle this is only an analogy, with points of similarity and of difference, but for the Stoics, nature is literally the craft of Zeus, and a human sage, in having the science of physics, has the same science that Zeus has. It is not just a theoretical but also a productive science, and though we cannot use it, as Zeus does, to produce a world, we can use it to understand his action, and to cooperate, to the extent of our abilities, with Zeus' governance of the world.

For roughly the first half of the semester we will read texts from Aristotle, concentrating on the Parts of Animals and Generation of Animals and perhaps looking briefly at some cosmological texts. We will then turn to fragments of the Stoics; we will be particularly interested in Stoic cosmology, the place of biology (including the theory of human nature) within cosmology, and the analogical extension of biological and medical concepts to the cosmos. We will examine some fundamental concepts of Stoic physics, and we will ask how far the Stoics are responding to Aristotle, and how far each school is independently responding to the difficulties facing Plato.

The course is intended for students both in philosophy and in classics, assuming a basic knowledge of Platonic and Aristotelian theoretical philosophy and a basic knowledge of Greek. The course would naturally build on Menn's WS 2012-13 proseminar on Aristotle's Physics II, but does not presuppose it. Anyone who has studied Greek natural philosophy or medicine is very welcome. The instructors expect to speak in English, but student contributions may be in either English or German.

 

Gesundheit und Krankheit von Seele und Körper in der Antike und im frühen Christentum: Kontinuität und Diskontinuität

HS | Mo 16-18 | wöch. | BU 26, 117| Ph. van der Eijk / J. Schröter

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Heilung im Neuen Testament und im frühen Christentum vor dem Hintergrund griechisch-römischer medizinischer Theorien und Heilmethoden untersucht. Anhand einer Auswahl aus dem sog. Corpus Hippocraticum, einem Hippokrates zugeschriebenen antiken „Ärztehandbuch“ mit diversen Texten zur Heilkunst, sowie von Texten des Arztes Galen von Pergamon (2. Jh. n. Chr.) werden wir zuerst Hauptthemen und Tendenzen der griechischen ‚wissenschaftlichen’ Medizin betrachten. Inschriften aus den Asklepiosheiligtümern in Pergamon und Epidauros werden sodann antike religiöse Vorstellungen von Heilung veranschaulichen. Schließlich werden wir uns ausgewählten Heilungsgeschichten des Neuen Testaments und des antiken Christentums sowie frühchristlichen Vorstellungen von Heilung und Heilstätten widmen, um daran zu studieren, wie das frühe Christentum auf die griechische Medizin reagiert, welche Elemente es übernommen und mit welchen es sich kritisch auseinandergesetzt hat. Auf diese Weise sollen Kontinuität und Diskontinuität von griechisch-römischen und frühchristlichen Vorstellungen von Heil und Heilung in den Blick treten.

Literatur: Owsei Temkin, Hippocrates in a World of Pagans and Christians, Baltimore 1991; Annette Weissenrieder, Images of Illness in the Gospel of Luke, Tübingen 2003.

Teilnahmevoraussetzungen: Latinum, Graecum; für Theologiestudierende: neutestamentliches Proseminar Editionswissenschaft

 

Die Erschaffung der Welt und die Gestaltung der menschlichen Natur in der Antike und in der Renaissance: Platos Timaios und Marsilio Ficinos Kommentar zum Timaios

HS | Di 10-12 | wöch. | UL 6, 3053| R. Lo Presti

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Die platonische Schrift Timaios wurde um 360 v. Chr. verfasst und zählt damit zu Platons Spätwerk. Die Schrift beschäftigt sich vorwiegend mit kosmologischen, mathematischen und naturphilosophischen Fragen. In den ersten zwei Teilen dieser Schrift stellt Plato durch einen von der Hauptfigur des Dialoges Timaios von Lokri gehaltenen Vortrag seine Theorie über die Erschaffung und Gestaltung des Kosmos dar. Im dritten Teil des Timaios beschäftigt sich Plato mit Fragen bezüglich der menschlichen Natur und der Interaktion zwischen dem seelischen und dem körperlichen Teil des Menschen. Er beschreibt die physischen Eigenschaften des Menschen, die Struktur und Funktion der Organe, stellt die Theorie der Seelendreiteilung dar und diskutiert Eigenschaften und Funktionen der zwei sterblichen Seelenteile. Am Ende werden das Altwerden, der Tod und die Krankheiten des Körpers und der Seele ins Betracht gezogen.

In der Renaissance wurde der Timaios ein Schlüsseltext des frühneuzeitlichen Platonismus und die kosmologischen sowie die physiologischen und „anthropologischen“ Theorien, die in dieser Schrift Platos enthalten sind,  erweckten ein riesiges Interesse bei Philosophen, Wissenschaftlern, Medizinern. Übersetzungen und Kommentaren wurden verfasst und vielmals nachgedruckt, wie es der Fall mit Marsilio Ficinos Übersetzung  und Kommentar ist
Nach einer Übersicht über die ersten zwei Teile des Timaios, werden wir in diesem Hauptseminar auf den dritten, „physiologischen“ Teil des Timaios und auf den entsprechenden Teil des Kommentars Ficinos fokussieren. Das Ziel ist, zum einen, die platonische Auffassung der menschlichen Natur und der Beziehung Seele/Körper im breiteren Rahmen der platonischen Kosmologie zu verstehen und die medizinischen Voraussetzungen solcher Auffassung ans Licht zu bringen; zum anderen, werden wir darauf zielen, die wichtigsten Transformationen des physiologischen Denkens Platos bei Marsilio Ficino nachzuvollziehen und diese Transformationen im breiteren Rahmen der neufrühzeitlichen philosophischen und medizinischen Untersuchung über die menschliche Natur zu betrachten.

Voraussetzungen: keine. Kenntnisse von Griechisch und Latein sind willkommen, aber nicht erforderlich: alle Materialien werden in (deutscher oder englischer) Übersetzung behandelt.

Literatur: Plato, Timaios (Griech./Dt.), übersetz von H.-G. Zekl, Hamburg 1992; Plato, Timaios (Griech./Dt.), hrsg. R. Rehn und T. Paulsen, Reclam 2003; Arthur Farndell (hrsg. und übersetzt), All Things Natural: Ficino on Plato´s Timaeus, London 2010; W. Scheffel, Aspekte Der Platonischen Kosmologie: Untersuchungen Zum Dialog 'Timaios' (Philosophia Antiqua), Brill 1997; T.K. Johansen, Plato´s  Natural Philosophy: A Study of the Timaeus-Critias, Cambridge 2004; F. Karfik, Die Beseelung des Kosmos: Untersuchungen zur Kosmologie, Seelenlehre und Theologie in Platons Phaidon und Timaios, München 2004; T. Calvo, L. Brisson (hrsg.), Interpreting the Timaeus – Critia: Proceedings of the 4th Symposium Platonicum, Sankt-Augustin 1997; J. Black, The four elements in Plato´s Timaeus, Lewiston (N.Y.) 2000; K.J. Lee, Platons Raumbegriff: Studien zur Metaphysik und Naturphilosophie im Timaios, Würzburg 2000; M. Wright, A. Barker (hrsg.), Reason and necessity: Essays on Plato´s Timaeus, London 2000; J. Jouanna, La théorie de la sensation, de la pensée et de l’âme dans le traité hippocratique du Régime: ses rapports avec Empédocle et le Timée de Platon, A.I.O.N. XXIX (2007); Jacomien Prins, ‘The music of the pulse in Marsilio Ficino’s Timaeus commentary’, Blood, Sweat and Tears, Manfred Horstmanshoff, Helen King, and Claus Zittel (eds.), Intersections vol. 25, Leiden: Brill, 2012, 393-414; Jacomien Prins, ‘A philosophic music therapy for melancholy in Marsilio Ficino’s Timaeus commentary’, Melancholie - zwischen Attitüde und Diskurs: Konzeptionen in Mittelalter und Früher Neuzeit, Andrea Sieber and Antje Wittstock (eds.) Göttingen: V&R Unipress, 2009, 119-43; Christopher Celenza, “The revival of Platonic Philosophy”, in James Hankins (ed.), Cambridge Companion of Renaissance Philosophy, Cambridge 2007.

 

Lukrez, De rerum natura

SE | Di 14-16 | wöch. | DOR 24, 1.201| R. Lo Presti

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Über die Natur der Dinge (lat. De rerum natura) ist ein aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. stammendes Lehrgedicht des römischen epikureischen Dichters Titus Lucretius Carus.

Das sechsbändige, in Form von Hexametern verfasste Lehrgedicht gibt die Naturphilosophie Epikurs wieder. Lukrez wollte damit eine Philosophie vermitteln, die dem Menschen Gemütsruhe und Gelassenheit gibt und ihm die Furcht vor dem Tode und den Göttern nimmt, die aus der Unkenntnis des Menschen über seine Stellung in der Welt, über die Natur und das Wesen entspringt und folglich durch Aufklärung überwunden werden muss. Es ist geprägt von der materialistischen Atomlehre der griechischen Antike und geht davon aus, dass die Götter weder in der Lage noch willens sind, sich in das Leben der Menschen einzumischen.

In seinem Werk bietet Lukrez eine allumfassende Vorstellung aller wesentlichen Aspekte der epikureischen Lehre an: Die ersten zwei Bücher fokussieren auf die Atomlehre des Epikurus; das dritte und vierte Buch beziehen sich auf die epikureische Seelenlehre: Vergänglichkeit der Seele und Widerlegung der Todesfurcht (Drittes Buch), Wahrnehmungs- und Affektenlehre (Viertes Buch); das fünfte und sechste Buch enthalten die epikureische Darstellung der empirischen Welt: Kosmologie und Kulturentstehungslehre (Fünftes Buch), Meteorologie (Sechstes Buch).

Bei diesem Seminar werden ausgewählte Abschnitte von allen sechs Büchern von De rerum natura gelesen, übersetzt und kommentiert und ihre hauptsächlichen philosophischen, linguistischen und literarischen Aspekte in Betracht gezogen und aufgeklärt.

Literatur: Eine vollständige Literaturliste wird bei der ersten Seminarsitzung bereitgestellt.

Kritische Ausgabe des lateinischen Textes: Lucretii De Rerum Natura libri sex, Conradus Müller recensuit et adnotavit, H. ROHR, Zürich 1975; Kommentar: Titi Lucreti Cari De rerum natvra libri sex / ed. with prolegomena, critical apparatus, translation, and commentary by C. BAILEY, 3 Bände; Deutsche Übersetzung: Lukrez, De Rerum natura/Welt aus Atomen, Lateinisch/Deutsch, übersetzt und mit einem Nachwort herausgegeben von K. BÜCHNER, Stuttgart 2012, Reclam.

Studien: M. BOLLACK, La raison de Lucrèce: Constitution d´une poétique philosophique avec un essai d´interprétation de la critique lucrétienne; F. MONTARESE, Lucretius and his sources. A study of Lucretius, De Rerum Natura, I, 635-920, Berlin 2012, De Gruyter Verlag; D. SEDLEY, Lucretius and the transformation of Greek wisdom, Cambridge University Press, 2003 (first edition 1988).

 

Griechische Editionswissenschaft

PL | Di 14-16 | wöch. | UL 6, 3066B| O. Overwien

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Ziel der Übung ist die Vermittlung von Grundkenntnissen für die Edition eines griechischen Textes. Zunächst soll ein Überblick über die antike und mittelalterliche Überlieferung griechischer Texte vermittelt werden. Des Weiteren wird es darum gehen zu erlernen, nach welchen Kriterien der Wert bzw. das Verhältnis der jeweiligen Überlieferungsträger (in der Regel: der Handschriften) richtig bestimmt werden kann und in welcher Weise schließlich die Ergebnisse dieser Bewertung sowohl zur Erstellung eines Textes führen als auch in Form des textkritischen Apparates korrekt dargestellt werden.

Zur Einführung empfohlen: E. PÖHLMANN, Einführung in die Überlieferungsgeschichte und in die Textkritik der antiken Literatur, 2 Bde., Darmstadt 2003.

 

Plautus, Menaechmi

UE | Do 10-12 | wöch. | DOR 24, 1.201| O. Overwien / C. Thumiger

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Die Menaechmi sind ein typischer Vertreter der Verwechslungskomödie: Zwei namensgleiche Zwillingsbrüder werden in jungen Jahren auseinandergerissen. Während der eine nach Epidamnus entführt wird (Menaechmus I), macht sich der andere (Menaechmus II) Jahre später auf die Suche nach ihm und gelangt ebenfalls zufällig in diese Stadt. Man ahnt, was kommt: Die Familie und Freunde von Menaechmus I treffen wechselweise auf einen der beiden, was zu verschiedenen kuriosen Situationen führt. Am Ende hält fast jeder jeden für wahnsinnig, und auch ein herbeigerufener Arzt sorgt nur für noch mehr Verwirrung. Erst ganz am Schluss des Stückes klärt sich durch eine Gegenüberstellung der Zwillingsbrüder alles auf.

Ziel der Übung ist es, diesen „Wahnsinn“ möglichst komplett zu übersetzen. Zudem sollen – am Beispiel der Menaechmi – die Besonderheiten der lateinischen Komödie erarbeitet werden. Dazu gehören die Sprache (altes Latein, Komödienstil), aber auch gattungstypische Aspekte wie Komödienpersonal, Metrik oder Aufführungspraxis.

Zur Einführung: J. BLÄNSDORF, Die Palliata; T. Maccius Plautus, in: W. SUERBAUM (Hg.), Die archaische Literatur (= Handbuch der lateinischen Literatur der Antike 1), München 2002, S. 170-228

Textausgabe: Plautus, Menaechmi, ed. A. S. Gratwick, Cambridge 1993.