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Humboldt-Universität zu Berlin - Faculty of Language, Literature and Humanities - Alexander von Humboldt Professorship

Sommersemester 2012

 

Der Körper in der Spätantike

BAS | Mo 16-18 | wöch. | FRS191, 5008 | W. Häfele, R. Lo Presti, C. Tiersch, C. Thumiger, P. van der Eijk

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Wie erlebten die Römer und Griechen ihren Körper? Wie definierten sie körperliche und geistige Gesundheit und Krankheit und was machten sie, um diese zu fördern? Wer galt in diesen Bereichen als der Sachkundige? Oder gab es konkurrierende Kompetenzansprüche? Was machte die Gesellschaft zur Förderung der öffentlichen Gesundheit? Wie wurde Körperlichkeit bewertet und dargestellt in der Religion, der Literatur, der Wissenschaft und der Kunst? Welche Rolle spielte das Christentum? In diesem Seminar werden wir verschiedene Zeugnisse für das spätantike Verständnis und Erleben der menschlichen Körperlichkeit ins Auge fassen, z.B. den ‚high society’ Hofarzt Galen, den ‚hypochonder’ Aelios Aristeides und den melancholischen Philosoph-Kaiser Mark Aurel sowie Beispiele des frühen Christentums.

Voraussetzungen: keine. Kenntnisse von Latein und Griechisch sind willkommen, aber nicht erforderlich: alle Materialien werden in Übersetzung behandelt.

Literatur: P. Brown, Die Keuschheit der Engel. Sexuelle Entsagung, Askese und Körperlichkeit im frühen Christentum, München 1994

 

Philosophie als Heilung der Seele: Marc-Aurels Selbstbetrachtungen im Kontext der stoischen Ethik/
Philosophie to cure the Mind: Marcus Aurelius' Meditations in the context of the Stoic Ethics

HS | Di 08-10 | wöch. | DOR 24, 1.406 | R. Lo Presti

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Die Philosophie des römischen Kaisers Marc-Aurel findet sich in einer Sammlung von persönlichen Schriften, die unter dem Titel Ad se ipsum (Selbstbetrachtungen ist die übliche deutsche Übersetzung) überliefert worden ist. Diese ´Selbstbetrachtungen ´ reflektieren die Beeinflussung durch den Stoizismus und insbesondere durch die Philosophie des Epiktet, aber sie enthalten keine klar fixierte Theorie und keine systematischen Gedanken, wie es bei vielen anderen Denkern der griechischrömischen philosophischen Tradition der Fall ist. Trotzdem müssen Marc-Aurels Selbstbetrachtungen ohne Zweifel als ein echter philosophischen Text betrachtet werden, auch wenn sie nicht als systematische Abhandlung zur Darstellung und Verteidigung einer spezifischen philosophischen Doktrin entworfen wurden. Denn die Funktion dieser an sich selbst adressierten Gedanken ist eine ganz andere. In den Selbstbetrachtungen befasst sich Marc-Aurel mit einer Reihe von ´geistigen´ Übungen, die zum Ziel haben, bestimmte philosophischen Theorien geistig zu verarbeiten, den Charakter sowie die Seele und endlich die Art zu leben, im Lichte dieser Theorien umzugestalten. Durch die ununterbrochene Überlegung über philosophischen Ideen und vor allem durch das Schreiben als Meditationsform begibt sich Marc-Aurel in einen iterativen Prozess, der darauf zielt, dass der Geist sich eine neue Denkart angewöhnt. Um dieses Ziel zu erreichen, folgt Marc-Aurel drei verschiedene Formen ´philosophischer Übung´, die schon von Epiktet entwickelt und beschrieben worden waren. Diese ´Übungen´ betreffen a) Begierden und Abneigungen, b) den Impuls zum Agieren und zum Nicht-Agieren, c) die Freiheit von Täuschung, vorschnellen Urteilen und von allem, was mit Affirmation zusammenhängt. Sie beruhen auf unterschiedlichen physischen, ethischen und logischen Prinzipien, die, auch wenn sie an der Oberfläche des Textes nicht erscheinen, die Voraussetzung und die Grundlage der philosophischen Bildung und der Betrachtungen von Marc-Aurel darstellen. In diesem Seminar werden ausgewählte Textabschnitte der Selbstbetrachtungen gelesen und kommentiert, zusammen und im Vergleich mit Stellen von Cicero, Epiktet, Seneca und anderen Denkern, die zur Tradition des griechisch-römischen Stoizismus gehören. Das Ziel des Seminars ist, die philosophische Pointe von Marc-Aurels philosophischen Übungen im breiteren Kontext der stoischen Ethik aufzuklären. Griechischkenntnisse sind willkommen aber nicht erforderlich (alle Texte werden auch in Übersetzung ausgehändigt).

Literatur: DALFEN, J., Marci Aurelii Antonini Ad Se Ipsum Libri XII, Bibliotheca Scriptorum Graecorum et Romanorum Teubneriana (Leipzig: Teubner, 1979; 2nd edn 1987
MARC AUREL, Selbst-Betrachtungen, Wiesbaden: Marixverlag, 2011
FARQUHARSON, A. S. L., The Meditations of the Emperor Marcus Antoninus, Edited with Translation and Commentary, 2 vols, Oxford: Clarendon Press, 1944
HAINES, C. R., The Communings with Himself of Marcus Aurelius Antoninus , A Revised Text and a Translation into English, The Loeb Classical Library (London: Heinemann, 1916; later reprints by Harvard University Press)
LONG, A.A. & D.N. SEDLEY, The Hellenistic Philosophers , vol. 2. Greek and Latin Texts with Notes and Bibliography , pp. 341-422.
ASMIS, E., ‘The Stoicism of Marcus Aurelius’, ANRW II 36.3 (1989), pp. 2228-2252.
BRUNT, P. A., ‘Marcus Aurelius in his Meditations ‘, Journal of Roman Studies 64 (1974), 1-20.
CLARKE, M. L., The Roman Mind: Studies in the History of Thought from Cicero to Marcus Aurelius (London: Cohen & West, 1956)
HADOT, P., The Inner Citadel: The Meditations of Marcus Aurelius , trans. M. Chase (Cambridge, MA: Harvard University Press, 1998); a translation of La Citadelle Intérieure (Paris, 1992)
NEWMAN, R. J., ‘ Cotidie meditare : Theory and Practice of the meditatio in Imperial Stoicism’, ANRW II 36.3 (1989), pp. 1473-1517.
RUTHERFORD, R. B., The Meditations of Marcus Aurelius: A Study (Oxford: Clarendon Press, 1989)

 

Die hippokratischen Schriften des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr.

SE | Di 16-18 | wöch. (1) | FRS191, 4026 | O. Overwien

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Mit den hippokratischen Schriften des 5. u. 4. Jhs. v. Chr., die zu den frühesten erhaltenen Prosaschriften in griechischer Sprache überhaupt gehören, wurden medizinische Kenntnisse erstmals in Form von „Texten“ festgehalten. Bei diesen „Texten“ handelt es sich zum Teil um persönliche Notizen, zum Teil aber auch um Lehrwerke, öffentliche Vorlesungen oder für die Publikation bestimmte Monographien. Ziel des Seminars ist es, auf der Basis von ausgewählten Textpassagen eine Vorstellung von den unterschiedlichen medizinischen Theorien, von den literarischen Genera und von den Besonderheiten einer sich gerade erst in der Entwicklung befindlichen Fachsprache zu vermitteln. Darüber hinaus wird es um die „hippokratische Frage“ gehen, also um das Problem der Zuschreibung dieser Schriften an einen einzigen Autor Hippokrates.

Besprochen werden sollen u. a. die Schriften „De aere aquis locis“, in der der Einfluss der Umwelt auf Gesundheit und Krankheit dargelegt wird, die „Epidemien“, in der zahlreiche Krankheitsbeschreibungen in Notizenstil aufgeführt werden, oder auch „Über die Natur des Menschen“, in der es vor allem um die vier Säfte geht, die die Natur des Menschen und damit auch sein Wohlbefinden ausmachen.

 

Römische Medizin

UE | Di 12-14 | wöch. (1) | FRS191, 4031 | O. Overwien

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Ziel der Übung ist es, eine Vorstellung von zentralen Aspekten der antiken römischen Medizin zu vermitteln, die sich in einigen Punkten fundamental von der modernen unterscheidet: So konnten römische Ärzte z.B. die Behandlung von Patienten ablehnen und weigerten sich zudem beharrlich, mit Hilfe anatomischer Forschungen etwas über das Innere des Körpers in Erfahrung zu bringen. Patienten dagegen hatten zumindest als Privatperson nicht die Möglichkeit, ein Krankenhaus aufzusuchen, und vertrauten oftmals darauf, dass ein Gott ihnen die Heilung im Schlaf versprach.

Im Seminar wird es u.a. um folgende Aspekte gehen: Anfänge der Medizin in Griechenland (u.a. Schriften des Hippokrates), Arten der Medizin (Arzt, Tempelmedizin, Magier), Behandlungsmethoden (Heilmethoden, Instrumente), Beruf des Arztes (Ausbildung, Einkommen, Stellung in der Gesellschaft) oder auch Medizin in der Literatur (Darstellung der Medizin; medizinische Schriftsteller).Die Themen sollen sowohl in Form von Diskussionen moderner Sekundärliteratur als auch durch die Lektüre lateinischer Texte erarbeitet werden.

Zur Einführung: A. KRUG, Heilkunst und Heilkult, 2. Auflage, München 1993.

 

Leib und Seele in der Medizingeschichte von der griechisch-römischen Antike bis zur frühen Neuzeit

GTE-O | Fr 11.45-13.30 | wöch. ab 1. Juni | Institut für Geschichte der Medizin, Ziegelstraße 10, Berlin-Mitte, Seminarraum | P. van der Eijk, R. Lo Presti, C. Thumiger

Dieses Modul ist der Frage gewidmet, welche Auffassungen vom Verhältnis zwischen Leib und Seele in der Medizingeschichte vorausgesetzt, entwickelt und artikuliert wurden und welche Rolle die Medizin in der Geschichte des Denkens über diese grundlegende Frage gespielt hat.

Der Zeitraum des Moduls dehnt sich von der griechisch-römischen Antike bis zur frühen Neuzeit aus. Das Modul ist aber nicht chronologisch, sondern inhaltlich strukturiert und wird u. a. folgenden Themen gewidmet sein:

  • Die Frage der Körperlichkeit der Seele und der Physiologie der seelischen Funktionen und Vorgänge
  • Die Frage nach der Lokalisierung seelischer Funktionen im Körper
  • Gesundheit und Krankheit der Seele: Verständnis, Diagnose und Behandlung von Geistesstörungen (z.B. Melancholie)
  • Der Körper als Maschine
  • Psychosomatische Wechselwirkung
  • Kompetenzfragen: Medizin, Philosophie, Religion, Kunst
  • Methodische Fragen: Erforschung, Experimentierung, Erklärung
  • Ethische Fragen: zum Problem der Willensfreiheit und der Verantwortung; die Frage nach der menschlichen Identität, Persönlichkeit und Entscheidungsfähigkeit
  • Geschlecht und Geist (z. B. Hysterie)

Voraussetzungen: keine. Kenntnisse von Latein und Griechisch sind willkommen aber nicht erforderlich: alle Materialien werden in Übersetzung (deutsch oder englisch) behandelt. Auch Kenntnisse der antiken Medizin- und Philosophiegeschichte sind nicht notwendig.