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Humboldt-Universität zu Berlin - Faculty of Language, Literature and Humanities - Alexander von Humboldt Professorship

Project description

Medizinische Lehrwerke aus der Spätantike

Im spätantiken Schulbetrieb des 5.-7. Jhs. wurden verschiedene neue literarische Formen für die Lektüre von Galentexten entwickelt:

  • Klassifizierende Schemata: Tabulae Vindobonenses
  • Scholienliteratur
  • Summaria Alexandrinorum genannte Zusammenfassungen
  • Zusammenfassung der 16 Bücher des Galen durch Johannes Grammatikos

Diesen Texten kommt eine zentrale Rolle für die Überlieferung der Galentexte zu. So waren sie ausdrücklich dazu gedacht, die Originale zu ersetzen, sei es, weil diese als zu lang oder zu schwierig erachtet wurden, sei es, um Schwerpunkte zu setzen oder neue Inhalte hinzuzufügen. Zwangsläufig beeinflussten sie maßgeblich die Auswahl der Galentexte in der Spätantike, ihre Verbreitung und damit auch das Bild Galens. Zudem basierte die Galenrezeption im Orient nicht nur auf den Originaltexten, sondern nahezu gleichermaßen auf derartigen spätantiken Bearbeitungen. Über die lateinischen Übersetzungen fanden sie schließlich Eingang in die westliche Überlieferung. Insofern wurden sie über viele Jahrhunderte hinweg in verschiedenen Kulturkreisen gelesen und gelehrt.

In einem krassen Gegensatz zur Bedeutung dieser spätantiken Bearbeitungen steht die Tatsache, dass die Forschung nur rudimentäre Vorstellungen von diesem Wendepunkt der Galenüberlieferung und Galenexegese hat. Lediglich ein kleiner Teil dieser Texte ist überhaupt ediert oder übersetzt. Einige wenige Untersuchungen haben sich zwar mit einzelnen Galenschriften innerhalb dieser spätantiken Bearbeitungen beschäftigt, sind dabei jedoch nicht über überblicksartige Beschreibungen hinausgekommen. Was fehlt, ist eine systematische editorische und inhaltliche Aufarbeitung dieser Tradition. Dies mag zum Teil darin begründet liegen, dass die Summaria Alexandrinorum und die Zusammenfassung des Johannes Grammatikos nur Arabisch erhalten sind. Dabei haben wir es hier mit einem Paradebeispiel dafür zu tun, wie eine kombinierte Untersuchung von griechischen, lateinischen und orientalischen Zeugnissen unser Verständnis der (Spät)-Antike auf ganz neue Grundlagen stellen kann.

Ziel des Projektes soll daher sein, diese Forschungslücke zu schließen, indem die Texte nicht zuletzt einem altertumswissenschaftlichen Publikum zugänglich gemacht und auch erste Ansätze ihrer Erschließung geliefert werden sollen. Dabei erscheint es am sinnvollsten, am Beispiel einer kleinen Zahl von Galenschriften jede dieser Textformen in den Blick zu nehmen, um Entwicklungen, Gemeinsamkeiten oder auch Unterschiede herauszuarbeiten und sie ggf. zeitlich besser einordnen zu können.