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Humboldt-Universität zu Berlin - Faculty of Language, Literature and Humanities - Alexander von Humboldt Professorship

Projekt-Beschreibung

1. Galens Aphorismen-Kommentar: Kritische Ausgabe

Der Aphorismen-Kommentar ist wahrscheinlich der berühmteste Kommentar Galens (129-216 n. Chr.). Er zeigt uns in besonderer Weise Galens Verhältnis zu Hippokrates (460–vor 377 v. Chr.), weil es das Ziel verfolgt, das hippokratische Gedankengut zu rationalisieren; deswegen ist er ein wichtiges Zeugnis für die Reflexion über die Lehre des Hippokrates.

Was den Text betrifft, ist zu beachten, dass eine moderne kritische Edition immer noch fehlt. Es steht nur die Ausgabe von C. G. Kühn von 1821-1833 (Nachdruck 1965) zur Verfügung, die aber nicht auf einer vollständigen Kollation der Handschriften basiert und deshalb keinen zuverlässigen Text bietet. Im Bezug auf den Hippokratestext allerdings wurde die handschriftliche Überlieferung in jüngerer Vergangenheit schon einmal – von Caroline Magdelaine (Histoire du texte et édition critique, traduite et commentée des Aphorismes d'Hippocrate, Université Sorbonne-Paris IV 1994) – rezensiert. Seit kurzem gibt es für das ganze Werk, d. h. Galens Kommentar zu Hippokrates Aphorismen Buch I-VII, ein neues Editionsprojekt (Corpus Medicorum Graecorum/Humboldt Universität zu Berlin/Universität Hamburg); in diesem Rahmen beschäftige ich mich seit 2010 mit Buch VI. In dieser Zeit wurde eine vollständige Kollation der Handschriften von Buch VI geleistet. Die Ergebnisse der Kollation werden dieses Jahr im Rahmen des Konferenzbandes „Sulla tradizione indiretta dei testi medici greci: i commenti“ publiziert.

Ich plane diese Untersuchungen im Rahmen des Programms „Medicine of the Mind, Philosophy of the Body“ mit dem Ziel einer neuen Ausgabe, versehen mit Einleitung, Übersetzung und Kommentar zu den Hauptthemen, fortzusetzen.

 

2. Im Rahmen des Programms „Medicine of the Mind, Philosophy of the Body“ wird der Kanon medizinischer Schriften als ein Thema von zentraler Bedeutung angesehen. Im Bereich dieses Schwerpunktes plane ich zum einen das Corpus Hippocraticum in den ersten Druckausgaben, zum anderen seine Entwicklung in der Renaissance zu untersuchen.

Ausgangspunkt werden die Opera Omnia des Hippokrates sein, wobei ich mit der lateinischen editio princeps von Calvus beginnen werde.

Die Opera Omnia werden unter einer historisch-philologischen Perspektive untersucht. Schwerpunkte der Untersuchung werden sowohl die Vollständigkeit des Corpus, die auch das Problem der Authentizität betrifft, als auch die Klassifizierung bzw. die Reihenfolge der Schriften sein. Um die Kriterien für die Auswahl und die Klassifizierung der einzelnen Hippokratesschriften innerhalb der Editionen zu erklären, sind insbesondere die praefationes zu erforschen, was ich bezüglich Galen bereits getan habe (PRIN/Progetto di Ricerca di Interesse Nazionale 2008). Ich will daneben die Bedeutung der Quellen für die getroffene Auswahl und umgekehrt den Einfluss der Auswahl auf den Umlauf und die Produktion neuer Handschriften beachten. Insbesondere werden Quellen und Methoden der bedeutendsten Herausgeber des XVI. Jahrhunderts wie Cornarius (Froben 1538) oder Mercurialis (Giunta 1588) in den Blick genommen.

Bezüglich der Frage der Opera Omnia muss die Überlieferung der gedruckten Werke mit der Handschriftentradition verglichen werden (vgl. insbesondere J. Irigoin, Tradition manuscrite et histoire du texte; quelques problèmes de la Collection hippocratique, La Collection hippocratique et son rôle dans l’histoire de la médecine, Leiden 1975, Ss. 3-18 und J. Jouanna, L'Hippocrate de Venise (Marcianus Gr. 269; coll. 533): nouvelles observations codicologiques et histoire du texte, REG 113 (2000), Ss. 193-210).

Ich plane, meine Ergebnisse in Form eines größeren Beitrages zu veröffentlichen. Gleichzeitig könnten sie auch in einer elektronischen Datenbank eingegeben und zur Verfügung gestellt werden, mit dem Ziel, eine vollständige Liste der gedruckten Werke des Hippokrates sowohl auf Griechisch als auch in lateinischen Übersetzungen mit Angaben von incipit und explicit zu erstellen. Ein solches Projekt ist bezüglich Galen von Stefania Fortuna, die die Untersuchung von Richard J. Durling fortgesetzt hat, erfolgreich unternommen worden.