Wintersemester 2026/27
Research Colloquium/Reading Group “Ancient Medicine and History of Science”
CO | Mo 10-12 | wöch. | UL 6, 3053 | Ph. van der Eijk
In this research colloquium, participants and guests present and discuss ongoing work on ancient medicine, philosophy, science and their reception. In addition, Greek and Latin medical texts that are currently in the process of being edited, translated and commented by members of the group are subjected to close reading and discussion. During the Winter Semester 2026/27, we will read sections from Galen's commentaries on some of the ‘Hippocratic' writings. The colloquium is open to BA and MA students interested in the subject, and they are encouraged to present their work in order to receive constructive feedback. Since work-in-progress and unpublished material will be circulated in advance of the colloquium, those who wish to take part are asked to contact Professor van der Eijk in advance; please send an e-mail to philip.van.der.eijk@hu-berlin.de
Zwischen Körper und Seele – von der Medizin der Antike bis zur modernen Psychiatrie
SE | Do 16-18 | wöch. | Charité | Ph. van der Eijk / Nadine Metzger / Tillmann Taape
In diesem interdisziplinären Seminar werden wir die Geschichte des Leib-Seele-Problems in der Medizin aufrollen, indem wir zusammen historische Quellentexte lesen und diskutieren. Der Fokus liegt auf der Antike und den Entwicklungen seit dem 19. Jahrhundert. Themen sind u.a.: Psychische Krankheiten in der Antike; das Leib-Seele-Problem in der antiken Philosophie; Medizin und Philosophie in der Vormoderne; die Entstehung der modernen Psychiatrie im 19. Jh.; die Anfänge der Hirnforschung; Psychosomatik als Lösungsversuch des 20. Jh.
Alle Texte liegen auf Deutsch oder in wenigen Fällen auf Englisch vor. Alle Teilnehmenden sind aufgefordert, ein Kurzreferat zur Einführung eines Quellentextes von maximal 10 Minuten zu halten.
Literaturhinweise
J.P. Wright, P. Potter (Hrsg.), Psyche and Soma. Physicians and Metaphysicians on the Mind-Body Problem from Antiquity to Enlightenment, Oxford 2000.
Antike Heilungsberichte: Religiöse, philosophische, literarische und medizinische Aspekte
SE | Di 14-16 | wöch. | UL 6, 3053 | Ph. van der Eijk / Jens Schröter
Wie haben Menschen in der Antike Gesundheit und Krankheit erlebt und verstanden? Wie gingen sie mit Krankheit um und was haben sie getan, um wieder gesund zu werden? Wie haben sie ihre Erlebnisse literarisch dargestellt? Wer galten als Experten für Heilungen? Welche Rolle spielten religiöse und philosophische Vorstellungen über Heil und Heilung, in welchem Verhältnis standen sie zu medizinischen Kenntnissen und Therapien? In dem Seminar werden wir uns mit diesen Fragen anhand griechisch-römischer und frühchristlicher Texte befassen. Dabei werden wir einen Bereich erkunden, in dem religiöse, philosophische und medizinische Aspekte in überaus spannender Weise miteinander in Verbindung treten. Die Texte werden im Original und in Übersetzung zur Verfügung gestellt. Sprachkenntnisse sind also nicht vorausgesetzt, schaden aber auch nicht.
Literaturhinweise zur vorbereitenden Lektüre: Bendemann, R.v., Christus der Arzt. Frühchristliche Soteriologie und Anthropologie im Licht antik-medizinischer Konzepte, Stuttgart 2022; Lloyd, G.E.R., In the Grip of Disease. Studies in the Greek Imagination, Oxford 2003; Pichler, J./Heil, C. (Hg.), Heilungen und Wunder. Theologische, historische und medizinische Zugänge, Darmstadt 2007; Steger, F., Antike Medizin. Einführung und Quellensammlung, Stuttgart 2021.
Einführung in die griechische Philosophie: Platon, Euthyphron
GK | Mo 8-10 | wöch. | UL 6, 3053 | R. Lo Presti
Platons Euthyphron ist ein besonders geeigneter Text für den Einstieg in die Lektüre griechischer philosophischer Prosa. Der kurze, aber inhaltlich dichte Dialog führt exemplarisch in die Welt des sokratischen Fragens ein und stellt mit der Frage nach dem Wesen des Frommen ein Problem ins Zentrum, das ethische, religiöse und begriffsanalytische Dimensionen miteinander verbindet. Im Kurs werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schrittweise an die sprachliche Erschließung des Textes herangeführt und üben dabei grundlegende Verfahren der Formenlehre, Syntax und Satzanalyse am Original ein. Zugleich bietet der Dialog die Gelegenheit, sich mit zentralen Merkmalen der platonischen Schreibweise vertraut zu machen: mit der dramatischen Rahmung, der argumentativen Bewegung des Gesprächs und der methodischen Funktion der sokratischen Elenktik. Der Kurs verfolgt damit ein doppeltes Ziel: Er dient einer soliden grammatisch-philologischen Einübung in die griechische Lektüre und eröffnet zugleich den Zugang zu Grundfragen antiken Philosophierens, insbesondere zur Frage, wie allgemeine Begriffe definiert werden können und welche Rolle dabei Prüfung, Widerlegung und Selbstreflexion spielen. Vorausgesetzt werden Grundkenntnisse der griechischen Grammatik; die Bereitschaft zu kontinuierlicher sprachlicher Vorbereitung ist unerlässlich.
Cicero, De republica
SE | Do 16-18 | wöch. | UL 6, 3052 | R. Lo Presti
Ciceros De republica gehört zu den bedeutendsten staatsphilosophischen Texten der römischen Antike. In der Form des Dialogs entfaltet Cicero eine vielschichtige Reflexion über Ursprung, Ordnung und Ziel des Gemeinwesens und setzt sich dabei mit grundlegenden Fragen nach Gerechtigkeit, Verfassung, Herrschaft und politischer Verantwortung auseinander. Das Seminar widmet sich einer genauen Lektüre ausgewählter Partien der Schrift und erschließt den Text sowohl in seiner sprachlich-rhetorischen Gestaltung als auch in seinem philosophiegeschichtlichen Horizont. Ein besonderes Augenmerk gilt der produktiven Auseinandersetzung Ciceros mit der griechischen politischen Philosophie, vor allem mit Platon und der stoischen Tradition, ebenso aber auch der spezifisch römischen Perspektive, die sich in der Verbindung von mos maiorum, republikanischem Ethos und idealem Staatsdenken zeigt. Zugleich wird zu fragen sein, wie Cicero das Verhältnis von moralischer Integrität und politischem Handeln bestimmt und inwiefern De republica nicht nur ein theoretischer Text, sondern auch ein Beitrag zur Selbstverständigung der römischen Führungselite in einer Zeit politischer Krise ist.
Lorenzo Valla, De vero bono
SE | Do 14-16 | wöch. | UL 6, 3052 | R. Lo Presti
Lorenzo Vallas Dialog De vero bono ist ein Schlüsseltext des italienischen Humanismus und zugleich ein herausragendes Dokument der moralphilosophischen Debatten des 15. Jahrhunderts. Im Zentrum der Schrift steht die Frage nach dem höchsten Gut des Menschen, die Valla in kritischer Auseinandersetzung mit antiken Ethiken, insbesondere mit stoischen, epikureischen und christlichen Positionen, behandelt.
Das Seminar liest den Text als ein Werk an der Schnittstelle von Philologie, Philosophie und intellektueller Kulturgeschichte der Renaissance. Dabei soll deutlich werden, wie Valla einerseits auf klassische Traditionen zurückgreift, andererseits aber mit eigenständigem Profil neue Akzente setzt, indem er Sprache, Rhetorik und philosophische Argumentation eng miteinander verbindet.
Von besonderem Interesse ist die dialogische Form des Textes, in der unterschiedliche Konzeptionen des guten Lebens aufeinandertreffen und auf rhetorisch zugespitzte Weise gegeneinander profiliert werden. Zugleich eröffnet die Lektüre einen Einblick in das Selbstverständnis des Humanismus, in sein Verhältnis zur Scholastik und in die Neubewertung von voluptas, virtus und christlicher Glücksvorstellung.
Isokrates: Rhetorik, Philosophie und Bildung — von Gegen die Sophisten zur Antidosis
UE | Do 8-10 | wöch. | UL 6, 3071 | R. Lo Presti
Das Seminar widmet sich Isokrates’ Verständnis von Rhetorik, Philosophie und Bildung. Im Mittelpunkt stehen zwei Texte: die kurze Programmschrift Gegen die Sophisten und ausgewählte Abschnitte aus der Antidosis, in der Isokrates viele Jahre später auf seine Tätigkeit als Lehrer und Redner zurückblickt.
In Gegen die Sophisten grenzt sich Isokrates von jenen Lehrern ab, die ihren Schülern Tugend, Erfolg und Glück versprechen, aber nach seiner Ansicht nur leere Regeln oder streitlustige Kunstgriffe vermitteln. Demgegenüber entwickelt er ein eigenes Modell rhetorischer Bildung, in dem sprachliche Schulung, Übung, Begabung, Urteilskraft und charakterliche Formung zusammengehören. Die Antidosis bietet dazu die große spätere Selbstdeutung: Isokrates verteidigt dort seine Schule, seine Reden und seinen Begriff von „Philosophie“ gegen den Vorwurf, bloße Redekunst zu betreiben.
Im Seminar werden wir fragen, was Isokrates unter philosophischer Bildung versteht und worin er sich von den Sophisten, aber auch von anderen Formen theoretischer Philosophie, insbesondere von der Philosophie Platons, unterscheidet. Zur Sprache kommen dabei unter anderem das Verhältnis von λόγος und παιδεία, die Bedeutung des richtigen Augenblicks und des Angemessenen, die Rolle von Nachahmung und Übung sowie die Frage, ob und in welchem Sinn Tugend lehrbar ist.
Gegen die Sophisten wird vollständig gelesen; aus der Antidosis werden größere Schlüsselpassagen ausgewählt. Die Texte werden im griechischen Original gelesen und gemeinsam philologisch wie philosophisch interpretiert.
Kolloquium „Antike Philosophie“
CO | Mo 14-16 | wöch. | UL 6, 3053 | R. Lo Presti
Das Kolloquium bietet MA-Studierenden und Promovierenden die Möglichkeit, entstehende Arbeiten im Bereich der antiken Philosophie sowie ihrer Rezeption im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit vorzustellen und zu diskutieren. Es richtet sich sowohl an Studierende der Philosophie als auch der Klassischen Philologie, die entweder mit philosophischen Texten arbeiten oder sich mit Fragestellungen befassen, in denen sich philosophische und literaturwissenschaftliche Perspektiven überschneiden.
Eine Voranmeldung beim Dozenten ist erforderlich und soll bis zum Beginn des Semesters erfolgen: roberto.lo.presti@hu-berlin.de
Platon,Theaitetos
HS | Mo 16-18 | wöch. | UL 6, 3059 | R. Lo Presti
Platons Theaitetos ist seine ausführlichste Untersuchung der Frage, was Wissen sei. Der Dialog geht dieser Frage in der Bewegung der Prüfung und des Scheiterns nach, nicht in Gestalt einer positiven Lehre. Nacheinander werden drei Bestimmungen des Wissens erprobt — Wissen als Wahrnehmung, als wahre Meinung und als wahre Meinung mit logos — und jede von ihnen führt auf Schwierigkeiten, die über die jeweilige Definition hinausreichen und die Möglichkeit von Erkenntnis überhaupt berühren. Im Zentrum stehen dabei das Verhältnis von Wahrnehmung und Denken, die Auseinandersetzung mit dem protagoreischen Relativismus, die Frage nach der Möglichkeit des Irrtums sowie das Problem, worin der Unterschied zwischen wahrer Meinung und Wissen eigentlich besteht.
Das Seminar liest den Dialog als einen klassischen Text der platonischen Erkenntnisreflexion und zugleich als eine präzise Analyse der Bedingungen, unter denen Wahrheit überhaupt zum Gegenstand philosophischer Rechenschaft werden kann. Auch der aporetische Schluss gehört in diesen Zusammenhang: Er markiert kein bloßes Ausbleiben eines Ergebnisses, sondern gehört zur philosophischen Arbeit des Dialogs selbst. Der Theaitetos zeigt, dass die Frage nach dem Wissen mit Spannungen verbunden ist, die zwischen Wahrnehmung, Urteil, Sprache und begrifflicher Bestimmung bestehen.
Methoden und Medien der Klassischen Philologie
UE | Mo 12-14 | wöch. | UL 6, 3071 | O. Overwien
Diese Veranstaltung bietet einen ersten Überblick über das Fach Gräzistik und führt in seine Grundlagen und Methoden ein. Der Schwerpunkt liegt auf der Literaturgeschichte. Die Teilnehmer lernen die wichtigsten Autoren und Gattungen von der Archaik bis hin zum Hellenismus kennen. Darüber hinaus werden die Grundlagen der Papyrologie und Paläographie behandelt, und auch die Editionswissenschaft wird thematisiert. Praktische Aspekte des Studiums wie der Umgang mit Hilfsmitteln (Lexika, elektronische Medien usw.) werden den Kurs beschließen.
Literatur: P. Riemer / M. Weissenberger / B. Zimmermann, Einführung in das Studium der Gräzistik, München 2000; H.-G. Nesselrath (Hrsg.), Einleitung in die griechische Philologie, Stuttgart/Leipzig 1997.
Einführung in die griechische Geschichtsschreibung
GK | Do 10-12 | wöch. | UL 6, 3053 | O. Overwien
Im Zentrum des Kurses steht das Geschichtswerk Herodots. Durch die Lektüre zahlreicher Passagen aus dem ersten, dritten und neunten Buch sollen der Aufbau und die zentralen Themen des Werkes sowie das Geschichtsverständnis des Autors erarbeitet werden. Kurze Ausblicke auf Thukydides und Xenophon runden die Veranstaltung ab.
Voraussetzung für den Erwerb von Studienpunkten ist neben der regelmäßigen Teilnahme die sorgfältige Vorbereitung der Texte. Die zu übersetzenden Passagen werden auf Moodle zur Verfügung gestellt.
Textausgabe: Herodoti Historiae, vol. I-II, rec. N. Wilson, Oxford 2015.
Literatur: L.-M. Günther, Herodot, Tübingen-Basel 2012; R. Bichler / R. Rollinger, Herodot, 4. Auflage, Darmstadt 2014; W. Will, Herodot und Thukydides, München 2015.
Griechische Sprache und Übersetzung II
UE | Mi 10-12 | wöch. | UL 6, 3053 | O. Overwien
Die Übung dient der Vertiefung von Grammatikkenntnissen sowie der Festigung der aktiven Sprachkompetenz. Dazu werden zum einen die wichtigsten Grammatikthemen systematisch wiederholt, zum anderen deutsche Texte, insbesondere Übersetzungen aus Xenophons Apomnemoneumata, in attisches Griechisch rückübertragen und unter verschiedenen Gesichtspunkten analysiert.
Literatur: E. Bornemann / E. Risch, Griechische Grammatik, Frankfurt a. M. 1978; The Cambridge Grammar of Classical Greek, ed. by E. van Emde Boas u.a., Cambridge 2019.
Prosa bis Livius
GK | Do 14-16 | wöch. | UL 6, 3059 | O. Overwien
In dieser Veranstaltung wird ein erster Überblick über die spätrepublikanische Prosa-Literatur gegeben. Der Schwerpunkt wird auf zwei Autoren liegen, die der Geschichtsschreibung bzw. der biographischen Literatur zuzuordnen sind: Sallust (Bellum Catilinae) und Cornelius Nepos (Viten). Durch die Lektüre zentraler Passagen sollen gattungsspezifische Charakteristika sowie individuelle Eigenarten der beiden Autoren erarbeitet werden.
Textausgaben: C. Sallusti Crispi Catilina, Iugurtha Historiarum Fragmenta selecta, Appendix Sallustiana, rec. L. D. Reynolds, Oxford 1991; Cornelius Nepos, ed. P. K. Marshall, 3. Auflage, Leipzig 1991.
Literatur: A. Mehl, Römische Geschichtsschreibung, Stuttgart 2001; D. Flach, Römische Geschichtsschreibung, 4. Auflage, Darmstadt 2013; H. Sonnabend, Geschichte der antiken Biographie, Stuttgart 2002.