Humboldt-Universität zu Berlin - Faculty of Language, Literature and Humanities - Alexander von Humboldt Professorship

Sommersemester 2026

Research Colloquium/Reading Group "Ancient Medicine and History of Science"

CO | Mo 10-12 | wöch. | UL 6, 3053 | Ph. van der Eijk

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In this research colloquium, participants and guests present and discuss ongoing work on ancient medicine, philosophy, science and their reception. In addition, Greek and Latin medical texts that are currently in the process of being edited, translated and commented by members of the group are subjected to close reading and discussion. During the Summer Semester 2026, we will read sections from Galen's commentaries on some of the ‘Hippocratic' writings. The colloquium is open to BA and MA students interested in the subject, and they are encouraged to present their work in order to receive constructive feedback. Since work-in-progress and unpublished material will be circulated in advance of the colloquium, those who wish to take part are asked to contact Professor van der Eijk in advance; please send an e-mail to philip.van.der.eijk@hu-berlin.de

Requirement for the three credit points: Presentation of a project (Master's thesis, Bachelor's thesis, paper ...).

 

Tragödie, Komödie, Philosophie: Spannung und Wechselspiel von Theatralischem und Philosophischem in der Antike

VL | Do 12-14 | wöch. | UL 6, 3059 | R. Lo Presti

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Die Vorlesung widmet sich dem komplexen Verhältnis von Theater und Philosophie in der griechisch-römischen Antike. Ausgangspunkt ist die Frage, wie sich philosophisches Denken und dramatische Darstellung in produktiver Spannung begegnen, einander befruchten und zugleich wechselseitig in Frage stellen. Dass dieses Verhältnis für ein tieferes Verständnis der antiken Philosophie – und ihres dialogischen wie dialektischen Kerns – von entscheidender Bedeutung ist, zeigen nicht nur die Texte selbst, sondern auch ihre Rezeption in der Moderne.

Zu Beginn werden wir Friedrich Nietzsches Geburt der Tragödie und Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen heranziehen. Diese Schriften markieren paradigmatisch, wie eng die Entstehung der Philosophie mit der Erfahrung des Tragischen verknüpft gesehen werden kann, und eröffnen so den systematischen Rahmen der Vorlesung. Daran anschließend wenden wir uns den klassischen Positionen der Antike selbst zu: Platons scharfer Kritik an der Tragödie, die er als Bedrohung für Vernunft und Polisordnung begreift, und Aristoteles’ Definition des Tragischen in der Poetik, die eine ästhetische Neubestimmung der Tragödie als Medium der „Katharsis“ bietet.

Im Hauptteil stehen exemplarische Dramen im Mittelpunkt: Sophokles’ Antigone und Oedipus Rex als paradigmatische Stücke, in denen philosophisch relevante Themen wie die Spannung zwischen Staats- und Naturgesetz, Erkenntnis und Schuld, Schicksal und Freiheit auf der Bühne verhandelt werden; Euripides’ Tragödien, in denen sophistische Argumentationsweisen und ‘sokratische’ Leitmotive in den dramatischen Diskurs eingehen; sowie Aristophanes’ Wolken, in denen die Philosophie selbst – verkörpert durch die Figur des Sokrates – zum Gegenstand des Spotts und der komischen Verzerrung wird.

Parallel dazu betrachten wir die Philosophie selbst als eine Gattung mit theatralischen und dialogischen Zügen. Die platonischen Dialoge erweisen sich nicht nur als philosophische Argumentation, sondern auch als dramatische Inszenierungen, die mit komödienartigen Elementen, Rollenwechseln und performativen Strategien spielen. Diese Verbindung prägt auch spätere philosophische Literatur, etwa bei Cicero, der in seinen Dialogen die Tradition der sokratischen Gesprächsführung fortführt und rhetorisch-literarisch überformt.

Den Abschluss der Vorlesung bilden exemplarische Texte aus der kaiserzeitlichen und spätantiken Literatur: Senecas Tragödien, die das Verhältnis von Tragik und Philosophie auf eigentümliche Weise neu fassen, indem sie stoisches Denken mit der expressiven Gewalt der Bühne verbinden und so das Motiv des „Scheiterns“ der Philosophie besonders eindrucksvoll hervorheben; Augustinus’ Cassiciacum-Dialoge, die die platonische Gesprächsform christlich transformieren und die Suche nach Wahrheit als inneren Dialog inszenieren; sowie schließlich Petrarcas Secretum, das im Gewand des Gesprächs zwischen Dichter und Augustinus die antike Tradition wiederaufnimmt und in eine introspektive, humanistische Dimension überführt.

So zeigt sich in chronologischer Perspektive, dass das „Philosophische“ und das „Theatralische“ nicht als getrennte Kategorien, sondern als wechselseitig durchdrungene – und zugleich in einem beständigen Spannungsverhältnis stehende – Ausdrucksformen einer für das menschliche Denken wesensbestimmenden Dialogizität zu begreifen sind.

 

Plotin über das Schöne, das Gute, das Böse, und Eros:, Enneaden I.6–I.9 und III.5

HS | Mo 16-18 | wöch. | UL 6, 3059 | R. Lo Presti

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Das Hauptseminar ist der zweite Teil eines auf mehrere Semester angelegten Zyklus zur ersten Enneade Plotins. Nach der Auseinandersetzung mit den Schriften I.1–I.5 im Sommersemester 2025 widmet sich diese Veranstaltung den Texten I.6 (Über das Schöne), das in Verbindung mit III.5 (Über Eros) gelesen wird, I.7 (Das erste Gute), I.8 (Woher kommt das Böse?) sowie I.9 (Berechtigter Freitod?). Diese letzte, sehr kurze Schrift wird in Verbindung mit I.4 (Über die Glückseligkeit), Par. 5–11 behandelt. Im Mittelpunkt steht die intensive gemeinsame Lektüre der Texte in Übersetzung, ergänzt durch punktuelle Rückgriffe auf den griechischen Originaltext.

Die erste Enneade umfasst nach der von Porphyrios vorgenommenen Ordnung Schriften, die sich mit ethischen Fragestellungen befassen und einer Art kognitiver Reinigung dienen sollen – als Vorbereitung auf die weiteren Schritte des Erkenntnisaufstiegs. Plotin setzt sich hier in vielfacher Hinsicht kritisch wie kreativ mit zentralen Positionen Platons und Aristoteles auseinander: So wird im Traktat Über das Schöne Platons Ideenlehre weitergeführt und zugleich transformiert; das ergänzend herangezogene Traktat Über Eros vertieft diese Perspektive, indem es den Zusammenhang von Schönheit, Liebe und seelischer Aufwärtsbewegung entfaltet; die Frage nach dem Guten greift aristotelische und stoische Ansätze auf, rückt jedoch die Transzendenz des Einen in den Vordergrund; die Auseinandersetzung mit dem Bösen verbindet platonische Traditionen mit einer originären Theorie der Negativität; schließlich bieten die Schriften über den „vernünftigen Selbstmord“ und über die Glückseligkeit eine radikale ethisch-praktische Reflexion im Spannungsfeld antiker Seelenlehren.

Das Seminar möchte Plotins Eigenständigkeit als systematischer Denker sichtbar machen, der einerseits die gesamte antike Philosophie rekapituliert, andererseits aber neue Denkfiguren entwirft, die für die Geschichte der Metaphysik, Ethik und Ästhetik weit über die Antike hinaus wirksam wurden. Erwartet werden gründliche Textarbeit, aktive Teilnahme an Diskussionen sowie ein Referat mit schriftlicher Ausarbeitung als Leistungsnachweis.

Deutsche Textausgabe: Plotin. Schriften in deutscher Übersetzung, 2 Bände. Übers. von Richard Harder. Neubearbeitung von Richard Harder, Rudolf Beutler und Willy Theiler. Hamburg: Meiner Verlag, 2020.

 

Sophokles, Oedipus Rex

SE | Mo 8-10 | wöch. | UL 6, 3053 | R. Lo Presti

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Das Seminar widmet sich einer der zentralen Tragödien des attischen Theaters, Sophokles’ Oedipus Rex. Im Mittelpunkt steht die intensive Lektüre und Übersetzung des griechischen Textes, verbunden mit einer Analyse seiner sprachlichen, stilistischen und metrischen Eigenheiten. Auf dieser Textarbeit aufbauend werden wir die dramatische Struktur, die mythologischen Hintergründe sowie die philosophischen und politischen Dimensionen des Stückes untersuchen. Diskutiert werden u. a. die Themen Schuld und Erkenntnis, Schicksal und Freiheit sowie die Rolle des Orakels und der göttlichen Ordnung. Methodisch verbindet das Seminar textnahe Interpretation mit der Auseinandersetzung mit einschlägiger Forschungsliteratur und rezeptionsgeschichtlich relevanten Fragen.
Erwartet werden aktive Teilnahme, kontinuierliche Übersetzungsarbeit und Diskussionsbereitschaft. Als Leistungsnachweis ist ein Referat vorgesehen.

Kritische Ausgabe: Sophoclis Fabulae recognoverunt brevique adnotatione critica instruxerunt H. Lloyd-Jones et N.G. Wilson. Oxford: OUP 1990.

 

Philosophie und Rhetorik: Augustinus, De magistro

UE | Do 14-16 | wöch. | UL 6, 3052 | R. Lo Presti

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Das Seminar behandelt Augustinus’ Dialog De magistro, der in seiner Auseinandersetzung mit Sprache, Zeichen und Erkenntnis eine Schlüsselstellung innerhalb der spätantiken Philosophie- und Theologiegeschichte einnimmt. Im Zentrum steht die gemeinsame Lektüre und Übersetzung des lateinischen Textes, verbunden mit einer Analyse seiner Argumentationsweise und sprachlichen Gestaltung. Diskutiert werden die zentralen Themen des Dialogs: das Verhältnis von Wort und Sache, die Grenzen menschlicher Sprachfähigkeit, die Rolle der Innerlichkeit im Erkenntnisprozess sowie die Figur Christi als innerer Lehrer. Neben der textnahen Interpretation werden auch die philosophischen und theologischen Kontexte (insbesondere antike Sprach- und Zeichentheorien sowie die christliche Exegese) berücksichtigt.
Erwartet werden aktive Teilnahme, kontinuierliche Übersetzungsarbeit und Diskussionsbereitschaft. Als Leistungsnachweis ist ein Referat vorgesehen.

Kritische Ausgabe: Corpus Christianorum, series latina, vol. 29, ed. K.D. Daur. Turnhout: Brepols 1970. S. 157-203

 

Ambrosius von Mailand, De officiis ministrorum

UE | Do 16-18 | wöch. | UL 6, 3052 | R. Lo Presti

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Die Übung widmet sich Ambrosius’ Traktat De officiis ministrorum, in dem der Mailänder Bischof die ethische Tradition der römischen Philosophie, insbesondere Ciceros De officiis, aufgreift und in einen christlichen Kontext überträgt. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Lektüre und Übersetzung ausgewählter Partien des lateinischen Textes. Anhand dieser Textarbeit werden sprachliche Besonderheiten, terminologische Fragen und argumentative Strategien untersucht. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Themenbereichen Pflicht und Tugend, dem Verhältnis von antiker Ethik und christlicher Moral sowie der Frage nach dem Selbstverständnis des kirchlichen Amtes. Ziel der Übung ist es, Sicherheit im Umgang mit dem spätantiken Latein zu gewinnen und zugleich Einblick in die Transformation philosophischer Traditionen in der christlichen Spätantike zu erhalten. Erwartet werden regelmäßige Übersetzungsleistungen und aktive Mitarbeit.

Kritische Ausgabe: Ambrosius Mediolanensis: De officiis ministrorum. Patrologiae Cursus Completus. Series Latina, vol. 16. Ed. J.‐P. Migne. Paris 1845. S. 23–184.

 

Philosophisches Kolloquium

CO| Mo 14-16 | wöch. | UL 6, 3059 | R. Lo Presti

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Das Kolloquium richtet sich an BA- und MA-Studierende sowie Promovierende und bietet die Möglichkeit, laufende Arbeiten im Bereich der antiken Philosophie sowie ihrer Rezeption im Mittelalter und in der Frühneuzeit vorzustellen.

Es ist konzipiert für Studierende der Philosophie ebenso wie für Studierende der Klassischen Philologie, die sich mit philosophischen Texten auseinandersetzen.

Eine vorherige Anmeldung beim Dozenten ist zwingend erforderlich und sollte bis zum Beginn des Semesters erfolgen: roberto.lo.presti@hu-berlin.de

 

Einführung in das griechische Drama

GK | Do 10-12 | wöch. | UL 6, 3071 | O. Overwien

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In dieser Lehrveranstaltung werden zentrale Aspekte des griechischen Dramas behandelt: Inhalt, Sprache und Metrik. Auch der historische, religiöse und politische Kontext der Tragödie wird zu seinem Recht kommen. Gelesen wird der Hippolytos des Euripides: Es mag ja durchaus Sinn ergeben, sich als Mann nicht auf Frauen einzulassen, zumindest wenn man den Weg des Glaubens (oder der Wissenschaft) einschlagen will. Dieser Weg wird jedoch kein leichter sein. Wenn die Avancen dann auch noch von der eigenen Stiefmutter kommen, die wiederum unter dem Einfluss der rachsüchtigen Aphrodite steht, weiß man: Das Ende ist nah.

Textausgabe: Euripides Fabulae, ed. J. DIGGLE, t. 1, Oxford 1984.

Einführende Literatur: M. HOSE, Euripides. Der Dichter der Leidenschaften, München 2008; G.A. SEECK, Die griechische Tragödie, Stuttgart 2000; J. LATACZ, Einführung in die griechische Tragödie, 2. Auflage, Göttingen 2003.

 

Ovid, Amores

GK | Do 14-16 | wöch. | UL 6, 3053 | O. Overwien

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Dass ein antiker Römer seiner Geliebten Gedichte schrieb, war nichts Ungewöhnliches. Dass er darin aber die Rolle eines unsterblich Verliebten einnimmt, der sich einer Frau (domina) zu ewiger Treue verpflichtet fühlt, die sich ihm gegenüber wiederum als hartherzig, launisch und auch treulos erweist, sodass er mitunter nächtelang an ihrer Tür vergeblich um Einlass bitten muss, war damals sicher nicht die Regel und dürfte für ein gewisses Aufsehen gesorgt haben. Ovid gehörte zu diesen sogenannten Liebeselegikern. In den Amores stellt er seine Liebesabenteuer mit einer gewissen Corinna dar. Im Kurs wird es darum gehen, wie er zum einen die von der Tradition vorgegebenen literarischen Muster (Properz, Tibull, Catull) übernimmt, zum anderen aber auch kreativ mit ihnen spielt.

Textausgabe: P. Ovidi Nasonis Amores, Medicamina Faciei, Ars Amatoria, Remedia Amoris, ed. E. J. KENNEY, 2. Auflage, Oxford 1994, verbesserter Nachdruck 1995 (u.ö.).

Einführende Literatur: U. SCHMITZER, Ovid, 2. Aufl., Hildesheim 2011; K. VOLK, Ovid. Dichter des Exils, Darmstadt 2012; N. HOLZBERG, Die römische Liebeselegie. Eine Einführung, 6. Auflage, Darmstadt 2015.

 

Editionswissenschaft Latein

PL | Mi 10-12 | wöch. | UL 6, 3053 | O. Overwien

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Ziel der Übung ist die Vermittlung von spezifischen Kenntnissen für die Edition eines lateinischen Textes. Zu diesem Zweck werden zunächst einige grundsätzliche Merkmale der antik-mittelalterlichen Überlieferung lateinischer Texte erarbeitet. Anschließend werden die einzelnen Arbeitsschritte eines Editors nachvollzogen: Diskussion von Binde-Sonderfehlern, Darstellung der Textzeugen in einem Stemma, Erstellung des Textes inklusive eines textkritischen Apparates. Dies alles geschieht praxisbezogen, so dass die Teilnehmer am Ende des Kurses eine kurze Textpassage ediert haben werden.

Zur Einführung: J. Delz, Textkritik und Editionstechnik, in: Einleitung in die lateinische Philologie, hrsg. v. F. Graf, Stuttgart/Leipzig 1997, S. 51-74; E. Pöhlmann, Einführung in die Überlieferungsgeschichte und in die Textkritik der antiken Literatur, 2 Bde., Darmstadt 2003.

 

Griechische Paläographie

PL | Mo 12-14 | wöch. | UL 6, 3052 | O. Overwien

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In der Übung sollen die Charakteristika der Majuskel und der frühen Minuskel durch die gemeinsame Lektüre ausgewählter Handschriften erarbeitet werden. Ziel ist es, die Teilnehmer in die Lage zu versetzen, leichter lesbare griechische Manuskripte problemlos zu entziffern. Die meisten Kodizes werden wir uns digital, d.h. in Farbe ansehen können, so dass man darüber hinaus einen Eindruck von byzantinischer Buchkunst bekommt. Ein Gang in die Staatsbibliothek am Ende des Semesters wird außerdem die Möglichkeit bieten, einige Handschriften im Original zu bestaunen.

Einführende Literatur: H. Hunger, Handschriftliche Überlieferung …; Paläographie, in: Einleitung in die griechische Philologie, hrsg. v. G. Nesselrath, Stuttgart/Leipzig 1997, S. 17-44; N. Wilson, Greek Palaeography, in: The Oxford Handbook of Byzantine Studies, ed. by E. Jeffreys u.a., Oxford 2008, S. 101-14.